Mainfranken Graveller Tag 2 – Rhön Grabfeld Hassberge Steigerwald


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271km 5100 hm

Um 4 Uhr aufstehen, ich fühl mich top fit nach 3 Stunden Schlaf. Heute Großkampftag. Überraschung auf dem Tracking: Frank ist schon im Saaletal und die 3 hinter mir sind auch schon auf. Mal sehen, wie lange ich Platz 2 halten kann.
Bischofsheim ist zu früh fürn Bäcker, also Riegel rein und dann einen für mich momentan sehr harten Anstieg zur Hochrhönstraße. Sonne geht auf. Kette rechts. Kalte Abfahrt nach Fladungen, hier muss ich 15 Minuten auf den Bäcker warten. Doppelter Espresso, 3 süsse Teilchen. Draussen schlägt Tilo auf.. alter der Typ ist so fucking schnell! Ich bin nur vorne, weil ich bisher mehr Ausdauer hatte. Weiter gehts, wieder hoch in die Rhön zur Thüringer Hütte. Nach der Abfahrt kommt 40 km Flussradweg: Elsbach und Saale – hier kann ich Druck machen und Abstand gewinnen. Es wird langsam schwül um 8 Uhr morgens.
Hinter Bad Königshofen (hier bin ich aufgewachsen) an einer Kapelle treff ich meinen Vater, er verfolgte wie gebannt das Tracking. Wir schnacken 20 Minuten und dann gehts hoch in meine Heimatberge. Erst Annabild/Judenhügel durch einen sehr düsteren Friedhof, dann runter nach Sulzfeld, wo ich im Kindergarten war. Beim Metzger hole ich mir ein Schweinebauchbrötchen auf die Hand – für 1 Euro 10!! Völliger Wahnsinn. Ich bin ja Fleischlos esser, aber beim Radfahren geht das nicht. Rauf zum Wildberg holt mich Tilo ein. Bergauf doppelt so schnell wie ich. Danach Vollgas auf dem Rennweg, eine ewige Schottergerade durch die Hassberge. In Hofheim kaufe ich ein und dann wirds richtig hart, bei Unfinden die erste ultrasteile Schiebepassage einen Hohlweg hoch. auf der Bramburg muss ich hinten Beläge wechseln, ich Depp. Hätte ich auch im Vorfeld machen können, das sind immer noch die Beläge vom Pico Veleta vor 6 Wochen.
Altenstein nochmal eine kernige Rampe. im Wald werde ich fast von 2 Quads überfahren.. die NPD Plakate in Altenstein hatten mir schon angekündigt, daß hier anscheinend viel Assi Gschwerl wohnt. Nach der Abfahrt Untermerzbach bei Tageskilometer 160 kommt der Vorschlaghammer und ich muss mich in die Pampa setzen und Vorräte essen. Banane, Bretzeln, Knacker, Parmesan, Weingummis. Derweil schlagen Tilo und Fabian auf. Tilos GPS ist kaputt, er braucht einen von uns als Guide. Wir fahren größtenteils zusammen den Rest der Hassberge.
Ich lasse mich von meinem Hormon- oder Adrenalinspiegel dazu hinreissen, mit Tilos Pace mitzuhalten.. Es geht lange gut, aber ich sollte sowas besser lassen.
Wir kommen am Main um 17 Uhr an. Das ist etliche Stunden früher, als ich im Besten Falle geplant hatte! Der Steigerwald ist Tilos Heimat, er erzählt mir ein bissl über die Strecken. Überhaupt ist er mittlerweile ein wenig aufgetaut und nicht mehr so unterfränkisch Wortkarg. Auf dem Tracker sehe ich, daß Frank an der Spitze nur noch 7 km vorne liegt.. Tilo meint, entweder seine Kack Schlauchreifen sind durch oder ihn hat der große Hammer erwischt. Ich erinnere mich an meine Gedanken zu 2x Durchmachen am Stück. Später treffen wir ihn, wie er sich grad abholen läßt wegen Knieproblemen.
Fabian möchte bis Iphofen fahren, Tilo durchmachen. Tilo kann Franks Navi haben, also ist wieder jeder für sich… ich muß eh mein eigenes Tempo wieder finden und fahre vor. Im Wald mach ich ne Pause und telefoniere ein bissl.. und höre Bremsen. Überholt mich da jemand off the track? 😉 Wär ja nicht das erste Mal heute. Hunger kommt auf. Noch 20 km bis Geiselwind MacDoof. Keine andere Option und mein Hunger entwickelt ein Perverses Gelüst nach McRib mit BBQ Soße. Irgendwann nach Dämmerung bin ich beim McDrive und hau schnell wieder ab, essen möchte ich da nicht. Ich setz mich unter eine Kastanie. Licht kommt auf mich zu: Klaus T. Er war die ganze Zeit 5. mit etwas Abstand. Wir schnacken ein bissl, er möchte auch durchfahren. Er zieht wieder los mit dem Spruch: „Du holst mich gleich eh wieder ein!“ Ich melde Zweifel an. Er sieht nämlich noch topfit aus und wird tatsächlich auch das Rennen machen und als Erster um 5 Uhr früh finishen. Strategisch hat er alles richtig gemacht, immer schon hinter der Spitzengruppe halten und dann das Feld von hinten aufrollen.
Ich schaffs noch bis über den vorletzten Berg des Steigerwald und dann fällt nach 270 Tageskilometer um 23:30 bei mir der Hammer. Taumelnd hau ich mich auf eine Parkbank in voller Montur – Powernap. Ach vergiss es, 1 Stunde Später schaff ich gerade so den Schlafsack rauszuzerren und die Schuhe und Helm auszuziehen.

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