10k Taunus DNF #2 – dat war dann wohl doch zu heiss, ne.


Rot gestrichelt: Planung | Rot durchgezogen: aktuell gefahren.
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306 km 8003 hm

2. Versuch meines 10000hm Projekt. Sehenden Auges in die 36º gefahren. Ich habs mir lange als Hitzeexperimant schöngeredet, aber nachts hats mich dann doch arg gebeutelt. Abbruch am nächsten morgen wegen drastischem Zeitverzug und Unfähigkeit, noch mehr Wasser zu trinken.

Es ging mit Verspätung los (halb 4 statt 2) und es war gleich satt schwülheiß am Platte Climb.
Im Gegensatz zum letzten Kurs habe ich mir mehr von den Hausbergen eingebaut, u.a. auch 3x Hohe Wurzel aus unterschiedlichen Richtungen.
Beim 2. Mal wurde es schon hell und den 3. Wurzelclimb kam überraschend Alina dazu.

Wir fuhren dann den Hansenkopf bei Schlangenbad und mir fiel erneut das Desaster auf, das hier der Wald mittlerweile darstellt.
Über den Preis der sinnlosen Fichtemonokultur hab ich mich ja schon genug ausgelassen, von der steht nun wirklich kein einziger lebender Baum mehr rum. Aber auch die Laubbäume haben extremen Trockenstress und es sieht teilweise aus, wie im Oktober.

Die Grüne Bank hoch war diesmal extrem hart, die Hitze kam schon langsam durch und anscheinend hatten zahlreiche Holz-LKW den staubigen Belag versaut, daß man laum noch grip hatte, was Alina mit ihren 30mm Slicks auf dem Hosenboden bezahlt hat.

Ab Erbacher Kopf dann wieder alleine und die Kalte Herberge hoch gegen 11:30 war schon eine echte Hitzetortour. Oben war dann genau richtig mein geheimer Fressbunker, den ich ein paar Tage vorher im Unterholz versteckt hatte. (hier wollte ich spätabends nochmal vorbeikommen – da wusste ich noch nicht, daß das eher frühmorgens 6.00 werden würde)

Ab da wurde alles nur noch sau anstrengend und ich musste wirklich hart arbeiten, nicht in einen Krisenmodus zu kommen. Auch die Zeit passte überhaupt nicht mehr zum Plan und ich ärgerte mich schon über meinen hemmungslosen Optimismus, mit dem ich solche Sachen immer wieder anzugehen scheine. In Östrich musste eine extra Wasserfüllung am Friedhof genommen werden und bei Marienthal um ca 15:00 kam meine erste große Erschöpfungspause.
Die zahlreichen Zustiege in den Weinbergen vom Rhein hoch bis Waldrand mit Mittagssonne im Nacken haben ihren Tribut gezollt.

In Geisenheim beim Rewe dann großer Flüssignachschub – hier war ich schon bei ca. 7 Liter. Viele aggressive Jugendliche unterwegs – jeder hat so seine recht bis schlechte Art, mit der Hitze umzugehen.

Rüdesheim bis Rheinknie (davor hatte ich am meisten Angst gehabt) war dann relativ OK, war der Nachmittag ja schon spät. Langsam machte ich mir Sorgen, ob ich den Rewe bei Lorch noch erwische??

Tatsächlich kam ich da Schlag 21:00 an und konnte grad noch so einkaufen. Und ZACK war es auch schon dunkel! Auch hier wieder mein bescheuerter Optimismus: „Haja bis 10 wirds schon irgendwie hell sein“ – als ob ich keine Hightech hätte, die mir genau den Sonnenuntergang sagt. Und im August ist die Blaue Stunde anscheinend ziemlich kurz.

So ab da wurds schwierig und langwierig. Ich konnte nicht mehr so gut trinken, bzw. musste mich dazu zwingen. Dementsprechend schwierig war das Riegel essen.
Kaub Trail im Dunkeln war schade, Kaum Climb war zu erwarten krass und wollte einfach nicht enden.
Wispertal war erfrischend kalt, ca 20 grad,
Presberg Climb (ich bin den schon so oft nachts gefahren) machte ich komplett im Dunkeln bei hellem Mondlicht, das war schon geil.
Oben am Forsthaus hat sich eine kurze Pause in einen veritablen Parkbankschlaf von ca. 2 Stunden verwandelt.

Hier war also der erste Teil der Challenge schon verloren (kein Schlaf)

Wieder unten im Wispertal KALT, 15 grad (!!!!!) bei Dämmerung. 500 Höhenmeter weiter oben auf der Kalten Herberge stand die Hitze vom Vortag bei 30 Grad. Das war schon krass, dieser Temperatursprung.

Also 6 Uhr morgens statt 12 Uhr nachts Kalte Herberge, 6 Stunden hinterm Zeitplan. Ich fuhr noch einen kleinen Climb und runter nach Niedergladbach, wo ich mich um halb 8 entschied, abzubrechen.

Ich hätte noch 100km gehabt und wäre in die krasse Mittagshitze gekommen – das war so nicht geplant und ich konnte nun wirklich auch nichts mehr trinken, ohne daß mir schlecht wurde.

Fazit: Das bleibt jetzt vorerst gescheitert, ich hab keinen Bock auf ein 3. Mal.. möchte lieber wieder weite Sprünge in neue Gebiete machen, statt mich an den Hausbergen abzuarbeiten.
Außerdem wars das vorerst mit Durchmachfahrten. Der Preis hinterher ist zu hoch und nur was wert, wenn die gesetzte Challenge auch geschafft wird.

Beim Ersten Mal war ich besser drauf und hätte körperlich gesehen auch locker gefinisht, aber dieses Mal wars ein echter Kampf.

10kTaunus DNF #1 – totzdem geile Aktion!


Rot gestrichelt: Planung | Rot durchgezogen: aktuell gefahren.
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313 km 7966 hm

tl;dr: 10.000hm und 400km in 30h sollten es werden, aber nachts kamen Stromprobleme und ich musste vorzeitig abbrechen. Ich hatte viel Support: zeitweise 3 Mitfahrer: Knut, Jens und Armin. Vielen Dank Euch dreien, ich hab mich echt sehr gefreut über die nette Company! Und vielen Dank an meine Brotzeitcamps: die Geisis und die Wispers und die suupercoole Brotzeit Überraschung bei Presberg durch meine lieben Nachbarn und Freunde Benny und Jessy!

Die ersten 2500 hm waren quasi Heimspiel. Bin pünktlich um 4 los und hatte nach 100km reichlich Vorsprung. dann Brotzeit in Geisenheim und ab da Begleitung von Knut und Jens bis Lorch. Über der Mittagszeit in den Weinhängen wurde es recht heiß, ich habe viel Wasser verbraucht und trotzdem zuwenig getrunken.
Nach Lorch in nem heißen Hang hatte ich ein großes Tief. Nach ner kleinen Pause wartete hinterm Berg schon der nächste Mitfahrer: Armin. Er fuhr mit mir die heftigsten Rampe (Kaub) und einen wunderbaren Naturtrail im Steilhang. Ab Presberg nahm er dann den Shortcut nach Hause und nach einer Extraschleife übers Grohloch warteten hinter Presberg meine Nachbarn mit einer deftigen Brotzeit auf mich!!
Dann kam der Hinterlandswald/Kalte Herberge.. leider größtenteils im Dunkeln. Viel verblockter Grobschotter hat meiner Konzentration sehr viel abverlangt.

Aber ab Wisper->Espenschied und den geplanten Asphaltsegmenten fiel mir ständig bergauf mein Pufferakku aus und ich musste komplett im Dunkeln hochfahren. (Bergab gab der Dynamo genug Strom) Hatte noch Notlicht für wenn bergauf Verkehr kommt, aber das war sowas von anstrengend, ständig die Augen umstellen und links und rechts nach den gerade zu erahnenden weissen Linien fahren.. dann kam um 2:00 noch die Nachricht, daß mein Kleiner Fieber hat und dann war die Motivation vollends im Keller. Ich war 3 Stunden hinterm Idealschnitt, also fuhr ich direkt ins Wisper Basecamp, wo nachts um 3 ein riesen Brotzeittisch auf mich wartete! Danke Daniel und Belinda!!

Dann fiel der Hammer und ich schlief bis 7 und demmelte dann gemütlich auf der Bäderstraße heim.

Insgesamt waren es zu viel Pausen. Bewegungsschnitt war top, aber Gesamtschnitt war nach 200km um 3 Stunden der Planung hinterher, also hatte ich das technisch und mental schwierigste Stück komplett im Dunkeln. (der Hinterlandswald)
Das hat wie gesagt sehr viel Konzentration und Energie gefressen.
Das Ding muß ich nochmal optimieren und die Nachtfahrt besser planen!

10k Taunus – startklar

600g Gummitiere, 1200g Riegel, 2,5 Liter Wasser.
Roadbook steht.
Hab auch noch extra ein kleines Kettenblatt draufgezogen, von 42 auf 38 runter.
Die Felgen sind ziemlich verdellt und runtergerockt, aber tubeless hält noch zuverlässig.
Die hintere Bremse quietscht immer noch ziemlich ekelhaft, trotz neuer Scheibe und frischen Belägen.. ich werde morgen kotzen bei den vielen Abfahrten!
Lichtsetup läuft, vielfach erprobt im Winter.
Körper ist vollgeladen mit Kohlehydraten.
Passt!
Für morgen haben sich ein paar Leute zur Begleitung angekündigt, ich bin schon mega gespannt.

Hessen Peaks – Wasserkuppe, Hohe Hölle, Taufstein, Feldberg, Hohe Wurzel. Alles low traffic oder Schotter. 🤓


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287 km 5043 hm

Wasserkuppe 950m | Hohe Hölle 894m | Taufstein 773m | Feldberg 879m | Hohe Wurzel 618m | Ich wollte immer schon den Milseburgradweg mit seinem Tunnel fahren (Grüße an Olaf) und das war wirklich eine schöne Überraschung, so frühmorgens im Sonnenaufgang ganz alleine auf dem Damm, links und rechts Büsche, fast wie Flusswandern.
Von dort Nordaufstieg über Almen auf die Wasserkuppe.
Traverse via Rotes Moor auf Schotter richtung Hohe Hölle. Diesen Berg musste ich schieben/tragen, der Aufstieg ist zu steil für 1:1 Übersetzung. Die Mühe hat sich aber gelohnt: hier oben war es spektakulär alpin mit Almwiesen auf langen geschwungenen Bergrücken. Phänomentale Weitsicht bis in den weit entfernten Frankenwald.
Hammergeile Abfahrt 28km auf dem Rhönexpress Bahnradweg, hier konnte ich meinen bisherigen 16er Gesamtschnitt auf 21 aufarbeiten.
Den konnte ich auch auf der Traverse vom Sinntal bis ins Kinzigtal halten, auf ruhigen Landstraßen und Wirtschaftswegen.
Im Vogelsberg gings auf Radwegen bis Hartmannshain, dort Tankstellenromantik. Weiter auf Schotter bis zum Taufstein. Leider war die Gipfeltreppe gesperrt.
Über die Niddaquelle auf Trails und Schotter zur Burg Ulrichstein. Hier Blick auf den Taunus, die Frankfurter Skyline, den Donnersberg (!) und sogar das Rothaargebirge. Phänomenal.
Dann über einige fiese Gegenanstiege zum Niddaradweg.
Dieser war heute zu voll, viel zu viele unkoordinierte Ebikerentner. Hatte so meine Mühe, auf mich und hunderte Andere aufzupassen.
Nochmal Wasser füllen an der Tanke und dann Aufstieg Feldberg, sehr spaßig auf Schotter bis zum Sandplacken. Das letzte Stück auf Straße, aber das war richtig scheiße. Pfingsmontag die Feldbergstraße fahren: keine gute Idee. Blechparty.
Oben dann entsprechend gestopft, also schnell die Flucht ergriffen und nochmal einen Bogen über die Berge bei Oberems/Wüstems.
Heimschottern zur Platte und zum Abschluß, wie es sich gehört, noch den Hausberg (Hohe Wurzel) mitgenommen.
Eine sehr gelungene Tour heute und ich fühl mich relativ fit, als wär ich einen Hunderter gefahren. Die letzten beiden Grinds haben also ihre Wirkung hinterlassen.

Bimbach Marathon Extreme³ ITT mit dem Gravelracer (wir hatten ja nüscht)


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302 km 6256 hm

Das Rennen wäre kommenden Sonntag gewesen.
Meine erste 100% Road Langdistanz war härter als gedacht. Viel Wind von allen Richtungen und die ersten 100km saukalt. Bin auch kein guter Road Fahrer, das wurde hier wieder klar. Mir fehlt der regelmäßige Adrenalinkick technischer Segmente oder schwimmender Gravelpisten. Auf Linie Fahren bringt mich immer wieder in Schwung nach harten Anstiegen. Verkehr mag ich auch nicht so, bin etwas traumatisiert vom Körperkontakt mit Blech. Und Blech war viel unterwegs heut, inbesondere viele LKW auch in den Bergen.
Höhenmetermäßig wars ne sehr gute Übung für die kommene Großchallenge. 🤫 Drei mal die Lange Rhön rauf und runter war schon ne Ansage. In der Gegend beim Sinntal waren ein paar wirklich giftige Rampen. Vogelsberg war dann fast ne Erholung, aber da tat es schon arg weh in den Beinen.
2x Nasenbluten aufgrund der Trockenheit durch den Wind und 1x musste ich die Bremsen fixen (Caliper waren lose gerüttelt)
Ernährung war ok, Bäckerzeugs und die üblichen Gummitiere und Nussmische.
Reifen: Gravelking Slick 32mm @5.5 bar tubeless.

… mal eben kurz ne Gravel-Feierabenendrun-ALL GLORY TO THE HYPNOTOAD!


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523km 6465 hm

Gib ner Ameise Acid und sag ihr „lauf mal um den Block“ -> Mischung aus meiner Feierabendrunde, Taunustaler CX und dem Frankfurter Greffelründsche.
Start Samstag 6:30, Ende Sonntag 19:30 ergibt 37 Stunden Vollwaschgang. Kein Schlaf, manchmal geschwitzt, oft gefroren. (in der Wetterau morgens wars unter null.)
Danke @Rüdy W. für den Taunustaler, sorry ich hab mich einfach kurzerhand Deiner letzten Strava-Aufzeichnung bedient und die nachgebaut. Danke @Ken Kanuma für dieses wunderbar hypnotische und durchgeknallte Frankfurter „Ründchen“.

https://www.greffelruendsche.de/blog/

BPF Tag 1 – erschdamol durchbreddern


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255km 5750 hm

Es ist schon einen Monat her, ich hatte leider viel zu tun und es fühlt sich schon wieder an, wie eine Ewigkeit..
BIKEPACKING FRANCONIA, eine supercoole Veranstaltung durch Oberfranken, Start am wunderschönen Badesee Trebgast. Am Vorabend Treffen mit Eintopf, Bier und Schnacken mit ein paar alten Bekannten, Gegenseitiges Bewundern der Rigs und ein Diavortrag über das Silkroadrace in Kirgistan.
Frühmorgens ein sauberer Regenduscher, zum Glück hatte ich das Tarp gespannt.
Die BTG ist nichtmal eine Woche her, aber ich hab gerade genug Erholung und bin eigentlich in Topform, wenn man mal von den tauben Stellen an Hand und Fuß absieht.
Das Rad ist diesmal auch nur schmal bepackt + kein Rucksack mehr. Bivak, Trinkblase plus Backupflasche und viel Essen in der Rahmentasche, Satteltasche ein paar Klamotten und vorne Schlafsack und der übliche Bürokram: Batterien, Lader, Riegel, Überzugsklamotte. Ohne Essen und Wasser Gesamtgewicht 14,5 kg.

Die Aufregung kommt hoch. Wer wird wohl gleich am Start vorneweg preschen? Werd ich mich ranhalten können? Mein BTG 18 und Mainfrankengraveller-Kumpel Holger und Christian Beyer stehen am See und schnacken.. da sind sie schon, die Kurbelmaschinen. Christian ist ungeschlagener BTG-Champion, sozusagen z.Zt. der schnellste Deutsche. Nach den paar Worten mit ihm und dem Lesen seines Blogs (radness.de) weiß ich mittlerweile auch, was sein Geheimnis ist: Zu den essentiellen Faktoren unermüdliche Ausdauer, Präzision/Analytische herangehensweise und hart ans Limit gehen kommt auch noch die Tatsache, daß er einfach ein mega auftrainiertes Fitness-Tier ist. Ergebnis am Start: „Zack“ — und weg.
Ich hab nicht mal den Hauch einer Chance dran zu bleiben.

Tja, aber und hinter mir?
Tumbleweed.
Um gleich die Spannung rauszunehmen: so wird es die ganze restliche Fahrt bleiben. Ewiger zweiter, an den Spitzen fährt es sich halt einsam.
Nunja nicht ganz, da die ersten 160km eine Doppelveranstaltung sind: Oneday und „Rockstar“. Zwei der Oneday-Fahrer treffe ich immer wieder mal und sie schließen den Tag am End auch reichlich weit vor mir ab.

Haja dann fahre ich also wieder mal so allein durch Franken, dann aber auch durch Franken, den Ort in Franken. Frankenception.
Gleich nach gefühlten 60 Minuten schon eine von 3 Verpflegungsstationen. Sehr ungewöhnlich für eine Bikepackingveranstaltung und ich hab auch noch gar keinen großen Bedarf, aber man nimmt was man kriegt… Der Gastgeber hat sich ganz schön ins Zeug gelegt und ich hau mir 3 halbe Aufstrichsemmeln quer rein und hetze weiter. Ich bin sicher, hinter mir werden einige länger halten und das Buffet wertschätzen.
Auf BTG Spuren geht es durch Gefrees und richtung Waldstein.. wir war ich erst vor 2 Wochen, aber da wars nachts um 3 bei 5 Grad und ich am Durchmachen. Schotter wird immer wieder aufgelockert durch lustige Trails und schnelle Feldwegetappen 3-4 mal wird mir auch von eifrigen BPF Fotografen paparrazimäßig aufgelauert. Victorygrinsen.
Hoch zum Ochsenkopf gehts moderat aber bei der Abfahrt lande ich als erstes fast im Gemüse… zu lange aufs GPS geschaut.
Bei km 100 der 2. Verpflegungsstand.. ein von Tims Familie mega aufgebautes Buffet mit Nudeln, Kuchen, Riegeln.. alles was das Radlerherz begehrt, aber es ist 11 Uhr und ich esse ohnehin die ganze Zeit aus der Rahmentasche. Babbel mit die Leut, presse mir 3 Nusskuchen rein und weiter.

Die 160 km sind wirklich eine super schöne Strecke, Besonderes Highlight ist der Görauer Anger, meiner Meinung nach der bessere Staffelberg… Gegendtypisches Hochplateau mit mega Aussicht.
Bei der Ankunft am Badesee mach ich kurz auf ein Bier halt, die Jungs vom Audaxclub geben mir einen aus. Und weiter gehts, ich möchte noch 260 km vollmachen heute.
Ab hier verblasst die Erinnerung… anscheinend bin ich ab jetzt mehr im kontemplativen Demmelmodus.
Überhaupt läuft seit der BTG beim Radfahren immer ein automatisches Protokoll im Hirn ab:
Hab ich getrunken? Hab ich gegessen? wie ist der Zuckerstand? Braucht der Hintern wieder Hirschtalg? Muß ich Pissen? Was macht die Atmung? Und wieder von vorn mit den Basalen Dingen des Lebens…

Die Radspitze ist noch ein spektakuläres Higlight, was mir im Kopf ist, den Rest fahre im im Dunkeln bis kurz hinter Kulmbach um Null Uhr der Hammer fällt: Diese Waldhütte ist einfach zu verlockend.

BTG Tag 8 – fahr das Ding heim jetz ey


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182km 1637 hm

Geweckt von Nazilieder singenden betrunkenen Kids wache ich auf und bin froh, daß sie mich nicht gesehen haben, den stinkenden Gammler auf der Parkbank. Nächstes Mal penn ich wieder im Wald. Wasser leer, Kopf zerschossen, Beine steif. Daniel hinter mir hat fast aufgeholt. Ich finde einen Garten, wo ich durch dem Zaun durch Wasser zapfen kann. Danach gehts so gemischt, mal gut mal schlecht. Ich hab letzte Nacht schon alle 10 min. gezuckert und muss das grad so weiter machen. In meinem linken Feedbag befindet sich eine planetesimale Proto-Erde aus Fritt, Snickers, Haribo und Traubenzucker.
Dann ein nerviges Stück sinnlose Energievernichtung steil auf und ab an einer Seeküste. Die 1. Fähre kann ich nicht nehmen, zu früh. Also Ausweichroute, welche mich mindestens 1 Stunde kostet. Aber sie hat ne Tanke. Kaffee und neu eindecken. Danach ab ca. 8 Uhr hab ich wieder nen Lauf, der die restlichen 100 km hält.
Baller Baller mein neues Hobby: Flachlandbrettern über teils echt beschissene Wege. Panzerplatteee Panzerplatteee, Rüttelwaldboden, Kopfsteinstraße, Sand, Sand, Sand und Grobschotter… immer schön abwechselnd. Die Challenge ist, die immer am Stück vollstoff durchfahren.
Auf Rügen gehts dann grad so weiter, bis auf die Schlussetappe, da sind zu viele Familien unterwegs. Auch gut, mal runter zu kommen.
Im Ziel die Überraschung: Ich hab echt ein Jubelkommitee: Tilo, Stefan und Susanne.
Supercool, wie sie mich aufgenommen haben, ich durfte mit auf ihre Camper Stellfläche und die Campingdusche mitbenutzen, ich bekam Bier, wir waren Essen und haben sehr nett gequatscht. Das war nochmal ein echtes Highlight, wie sie mir über meinen Adrenalinkater geholfen haben.

Bin sehr zufrieden mit meiner Leistung.
Finish als 19. von ca. 100 in 7 Tagen 8 Stunden, fast um 2 Tage gegenüber dem Vorjahr verbessert, alles völlig ohne Hungerloch überstanden und auf 90% der Strecke sehr sehr gut Leistung gehabt. Viel viel gelernt!

BTG Tag 7 – noch mehr Sand und Plan durchzufahren


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198km 2732 hm

Shelter im Tal der Mücken war ok aber bei 100% Luftfeuchte gings bissl hart los. Nach dem Wunder eines Bäckers mitten in der Wildnis (Puddingteilchen und Mettsemmel) hab ich den Rest des Tages eigentlich ziemlich geil gerockt. Highlight war das endlos lange „Sand“ Segment, was mich letztes Jahr so fertig gemacht hat. Neue Fahrtechnik: Oberlenker, Rücken gestreckt, Arme anwinkeln, Kopf voraus. Wie Brad Pitt, wenn er morgens um 3 als dümmlicher General in „War Machine“ durchs Compound joggt. Dazu hohe Trittfrequenz und immer einen Gang niedriger als Reserve, wenn die fiesen Bremsbunker kommen.
Und wat soll isch sagen? Ich hab bei Strava auf diesem Segment die Krone geholt. Sand, mein neues Hobby. All Hail to the Gravelbike und WTB Nano mit wenig Druck.
Also ich hab meinen Frieden gefunden mit den Flachlandetappen. Ist halt ne ganz andere Nummer als Bergprojekte.
Nach einem Monster Einkauf (dünne Versorgungslage) bereit, die restlichen 250k durchzufahren. Viel Wasserverbrauch, 3 Liter in 2 Stunden. Ich nehme jede Gelegenheit mit und frage Leute sobald ich Häuser sehe.
In Reuterstadt Stavenhagen um halb 2 fällt allerdings der Hammer: Friedhof abgeschlossen, Keine Tanke, keine Menschen auf der Gass. Ich kann nicht weiter, die Zwangspause hat meine Entscheidungskraft gefressen. Ich nehme die harte Holzbank auf der Bushalte um nicht in völliges Ausschlafen zu verfallen. Trotzdem schlafe ich viel zu lange, bis ca halb 5.

BTG Tag 6 – Sand


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210km 2695 hm

Früh auf und schon schwül. Leichter Regen in Polen, hier ziemlich verblockte Wege. Mein Arm und mein Bein sind dick wie ne Wurst von den Stichen. Den dicksten Schauer verbringe ich hotdog essend in einer Grenztanke. Hier spielen sich Dramen ab zwischen den Arrogannten deutschen und dem polischen Personal.
Checkpoint Mordor am Braunkohleloch: immer noch Regen. Danach Sand Sand Sand. Ging besser als gedacht, trotz Gravelbike, insbesondere aufgrund des Regens. All Hail to the WTB Nano. (Reifen) Hatte sich auf den rumpeligen polnischen Wegen schon runter geburpt (Luft verloren) und der niedrige Druck gab mega Traktion auf dem feuchten Sand.
Es ging dann alles wieder rasend schnell, Landschaft flog an mir vorbei und nach dem letzten Platzregen (alles alles nass) wurde es wieder sonnig. Später nochmal mega Einkauf, dann ein endloser Flowtrail richtung Erkner bei Berlin, Shelter im Tal der Mücken.

BTG Tag 5 – sächsische Schweiz


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200km 3926 hm

Morgens fahren wir zu 5. los: Flo, Consti, Michi, Jakub, Ich. Sammeln auf dem Weg noch Per und Dan auf. Allerdings auf dem Anstieg zum Cinovec hoch hängen sie mich ab.
Der Cinovec: Ein Berg und ich. Zum 4 Mal ein hängenbleibendes Erlebnis, wir haben eine persönliche Beziehung miteinander.
1. 1000miles 2015: 4 Stunden im Hungerloch, weil Nik unsere Einkäufe hat und nicht aufzufinden ist.
2. 1000miles 2017: Hammer fällt nach durchgemachter Nacht im Dauerregen und anschließender Party in Panenska
3. BTG 2018: Durstloch, hier oben gibts kein Wasser
4. und jetzt, die durchgemachte Nacht schlägt sich wieder Bahn.
Allerdings nur für eine Stunde, ab Hochmoor gehts wieder voran.

Ich treffe ca. 4 Fahrer von den 1000miles, die mir entgegen kommen. Das Rennen ist zeitgleich, ging 1 Woche vorher in der Ostslowakei los und die Fahrer, welche ungefähr unsere Leistungsklasse haben, kommen uns just hier entgegen, nur daß sie schon eine Woche mehr auf dem Zähler haben. Man siehts auch an ihren Augen, die haben schon viel gesehen und sind 1 Tag vorm Ziel. Ich halte einen an und quatsche, mache ein selfie.

Elbsandstein geht wieder sau schnell. Checkpoint 3 husch husch weiter. Bad Schandau, Netto, Consti fährt grad los, die anderen sind schon weiter. Ich kaufe Unmengen.
Später nach dem obligatorischen Kacken im Wald trete ich in ein Wespennest. 8 Stiche am rechten Bein, 2 am linken, 4 am rechten Arm.
Die Schmerzen treiben mich erstmal voran und ich denke mir: da haste noch lange was von.
Ich werfe mich in einen kühlen Bach und den Rest des Tages treiben immer wieder Giftschauder durch meinen Körper. Performance ist nur noch 80% und die fiesen kurzen steilen Rampen in der Niederlausitz (?) machen das nicht besser.
Ich schaffs noch bis zum ersten Braunkohlerevier nachts um 1 und nehme ein Shelter.

BTG Tag 3+4, durchgemacht: Franggn und Erzgebirge


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459km 9533 hm

Ich trau’s mich fast gar nicht zu schreiben, aber ich bin schon wieder vom Start weg total gut drauf. Mich beflügelt auch die Aussicht, den Tag in Franken zu verbringen und also träller ich zum Takt der demmelnden Beine ein Lied über das, was ich demnächst beim nächsten Anhaltegrund tun werde: „Wursti Wursti.. Broti Broti.. Parmigiani!“ Um 7 erreiche ich Franken und beim ersten Bäcker treffe ich wieder Konstantin. Um 9 beim Edeka wieder, wir essen und quatschen, fahren wieder ein paar km .. er ist stärker am Berg, aber auf den langen geraden Waldautobahnen hänge ich ihn ab. Ich bin glaube ich auf Platz 23 oder so? Die Strecke bis Erlangen ist ein eiziger Höhenflug, ich halte kaum an und esse aus der Rahmentasche.. ÜBERHAUPT: ich hab nach 5 Jahren endlich kapiert: immer essen, während der Fahrt mindestens jede Stunde ne kleine Mahlzeit und dazwischen Zuckerzeugs… nicht drauf verlassen, daß die großen Mahlzeiten reichen. Gar nicht erst warten, bis der Hunger kommt, dann isses nämlich zu spät und der Tag will nicht mehr.
Wie auch immer, Die Rille läuft und ich bin frühnachmittags in Erlangen. Möchte gleich weiter, große Städte sind immer ein Kulturschock, verwirren und fressen Zeit. Aber hey! Ein Eis vielleicht??
Ich esse das schlechteste Eis, was Deutschland zu bieten hat. Soll ich es wegwerfen? Aber die Kalorien!! Meine Güte was haben die damit gemacht??! Silikon reingekippt?

Hach die Fränkische.. Eine Kirschobstwiese mit Kren dazwischen.. ein alter Dorfladen.. Fachwerk..
Vor Checkpoint 2 bekomme ich ein Wasserloch. Leicht dehydriert mach ich noch die Burg und dann hoffend die 10 km bis Behringersmühle durchzuhalten.. aber HEY Trailmagic: Ein super schöner Brunnen. Läuft.
in Behringersmühle dann doch die Erschöpfung, es ist auch schon Abend. Ich esse einen Flammkuchen und Pausiere eine Stunde. Hier entsteht der Entschluss: Ich fahre diese Nacht durch. Weil: Im Grunde läufts ja gut, ich könnte diese Nacht ca 10 Leute einholen und es wird sehr kalt.. da fahre ich lieber, statt zu frieren.

Den Rest der Fränkischen im Dämmerlicht gehts richtung Bayreuth. Dort um ca 23 Uhr decke ich mich an einer Tanke für die Nacht ein. Die nächsten 20 km gehen auf Asphalt und dann nach Bad Berneck einen Steilen udn bitterkalten Talweg hoch. Hier pflücke ich einen Fahrer nach dem Anderen, die laut Trackerwebsite irgendwo links oder rechts in den Büschen oder Sheltern schlafen.
Nach Gefrees Einstieg ins Fichtelgebirge, langsam dämmert es wieder. Der Anstiegt klappt ganz gut und so lange ich nicht anhalte, friere ich auch nicht. Oben am großen Waldstein – es ist mittlerweile halb 5 und hell – treffe ich Per. Er hat dort gepennt und ist grad am Zähneputzen. Sein Thermometer zeigt 3 Grad!! Ich stretche meine steifen Beine und wir fahren grob zusammen bis zum Dreiländereck Sachses/Bayern/CZ. Ab da hab ich nen lauf und ziehe durch bis Adorf, wo ich für den Tag einkaufe. Gerade wieder am losfahren, treffe ich wieder Per.. ich warte nicht auf ihn, denn er wird ich ohnehin einholen.
Ich befinde mich nämlich zwar auf Platz 13 oder so, aber meiner Meinung nach gerade in einer Leistungsklasse, die etwas über mir liegt. All die Fahrer knapp hinter mir hab ich nur aufgrund des Durchmachens eingeholt und ob das hält, muss sich noch zeigen 😀 Per ist ein durchzugsstarker Fahrer, er wird mich ja gleich wieder treffen.
Der erste teil Erzgebirge besteht buchstäblich aus Waldautobahnen. Leicht rollender festgefahrener Splitt, lange Geraden, leichte Steugungen. Später wirds steiler und gegen Mittag fällt mal für eine Stunde der Hammer. Powernap und dann wirds auch Heiß. Das Wasser geht mir aus auf 1000 Meter höhe. Eine Ansammlung Häuser: hier bekomme ich eine Orangina von einem netten Dachdecker geschenkt.
Ich schlage mich durch bis Johanngeorgenstadt, hier gibts wieder Wasser und: Per 😀 Wir sind in einem skurillen Grenzdorf, wo es allen möglichen Billo Kram gibt: Gartenzwerge, UnkrautEx, Zigaretten. Per fragt nach meinem Geheimrezept zum Durchmachen.. und kauft sich Koffeintabletten im Schieberdorf.
Vor uns der höchste Berg der Tour: Fichtelberg. Per und Dan: Schwupp, weg waren se. Ich Acker mich hoch, die steilen Hänge zum Gipfel permanent mit sauren Gumibärchen im Mund. Oben nochmal hallo zu Per und dann eine wirklich eklig steile und verblockte Abfahrt. Nix für Gravelbike.
Im nächsten Dorf wieder Einkauf, hier trudeln Constantin und Flo ein (Flo kenne ich vom Cherusker) Ein lustiges Hallo und wir fahren den Rest des Abends miteinander, quatschend und demmelnd. Ein Shelter, das wir anvisiert haben, ist schon von Michi und Jakub besetzt aber hey trailmagic: gleich daneben ist noch eins! Flo und Consti erleben einen unvergesslichen Abend, als ich meine Schuhe ausziehe nach 460 km und 20 Stunden Grind am Stück.

BTG Tag 2 – Schwäbische Alb


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222km 4980 hm

suuuper geschlafen! Und die DM-Koffeintabs sind der Hammer, geht glei weider mit 100%. Im Hellen ist auch der Wurzeltrail anständig machbar.. ich treffe wieder Kili und wir machen ein paar km zusammen. Erste Begegnung mit normalen Menschen beim Bäcker, ich ernte erstaunte Blicke, in Windeseile 2 süsse und 2 deftige Teilchen eingeatmet.
Ab Bad Urach fahre ich mit Constantin, er hat über das Brevetfahren zu diesem Event gefunden. Dann erster großer Einkauf, ich esse zuviel auf einmal.. 2 Pizzateilchen und ein riesen Pott Nudelsalat. Hoch zur Teck habe ich es 2 Stunden lang schwer.. ich wusste gar nicht, wie hart dieser Berg ist.
Ich hab übrigens schon 1 Tag reingeholt gegenüber dem Vorjahr. Also alles im Grünen. Irgendwann gehts wieder & spätnachmittag fahre ich mit Wurstblinker-Daniel. Er hat einen Riesenspaß mit mir bergab zu ballern und überhaupt haben wir einen tollen Lauf durch die Alp. Kommen durch spektakuläre Felsmeere, ich muss hier nochmal her. Abends seile ich mich ab und fahre bis spät nachts kurz vor die fränkische Grenze. Wieder schön angenehm warm und trocken, falle sofort in komatösen Schlaf.

BTG Tag 1 – Checkpoint 1


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228km 4322 hm

Ziemlich zerschossen und zerstochen nach der fiesen heissen Mückennacht eile ich zum Startpunkt in Basel.. über hundert Fahrer bieten schon ein ganz anderes Bild als letztes Jahr, ein bissl aufgeregt bin ich schon. Einige Leute begrüßen mich, obwohl ich sie noch nicht kenne.. anscheinend hab ich durch dieses Blog einen gewissen Bekanntheitsgrad mittlerweile… ich laufe rot an.
Dann ein paar Bekannte.. Stano kenne ich von 1000miles, Benni vom letzten Jahr, Tilo von Strava. Und auch neue Bekannte: Daniel, der in der Tat einen echten Wurstblinker installiert hat! 😉 Große Freude unter den Umstehenden.

Als es losgeht reihe ich mich ins vordere Mittelfeld ein und bleibe da auch erstmal. 80 km Rhein & Wutach fahre ich größtenteils allein, stabil bei Platz ca. 26 und erst vor der Teufels Küche (Schlucht, in der getragen werden muss) finden sich ein paar Leute ein. Aber hier kommt mein leichtbau Rad und meine 1000miles Härtung zum Zuge und in ca. 20 Minuten ist das Thema Teufels Küche auch schon gegessen.
Endlich gehts in die Berge. Ich hab zum Glück vorher nochmal Wasser getankt, denn der Verbrauch ist hoch und es kommt lange nix. Irgendwann nach der Schweiz kommt die obligatorische Bienenparty: Ein Imkerverein macht sein jährliches Treffen und unsere Orga hat einen Deal mit denen, daß sie Extra Würschtl und Kuchen für uns (für recht schmales Geld) anbieten. Übrigens ist das hier eine Belegstelle, hier gibts die besten Drohnen und Imker aus der ganzen Republik bringen ihre Königinnen hier her.
2 Steaks, 3 Kuchen.. es donnert und ich mach mich auf den Weg. Wieder eine spannende Radarsituation, ich hau regelrecht vor dem Gewitter ab.
Tuttlingen Döner, ein lustiges hin und her mit mehreren Fahrern seit den Bienen. Fahre eine Zeitlang mit Kilian.
Später im Dunkeln fahre ich bis zum Checkpoint und möchte danach noch ein paar schlafengelegte Leute wegpflücken, allerdings ist der Trail für nachts zu schwierig und ich würde hier nur Zeit vergeuden… also Hammock aufgehängt an der Abrisskante Schwäbiche Alp. Hoffentlich hält das Wetter. War ein guter Tag!

BTG19 Tag minus 1 – Fronkroisch


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205km 1940 hm

Aufgewacht von alleine beim ersten Morgengrauen, eine ausgesprochen gute, wenn auch kurze Nacht gehabt. Schön trocken und warm.
Zacki zacki Sachen in Rekordzeit gepackt, dem ging der allerneueste Trick voraus: sofort beim Aufwachen 2 Koffeintabletten vom DM reinschieben.. und kaum hat man sich aus dem Schlafsack geschält, geht das los mit der Hibbelei.

Beim nächsten Dorf, dem Letzten kurz vor der französischen Grenze am Friedhof Wasser geholt und hallo zu einer frühaufstehenden Ommse gesagt, dann bei einem phänomenal guten Bäcker Teilchen zum Mitnehmen geholt. Kaffee? Brauchts zwar nicht mehr dank DM-Doping aber gehört irgendwie dazu.
Noch 200 km bis Basel!
Fronkroisch überrascht mit ein paar Hügeln. Auch hier: Bewässerung der Landwirtschaft. Ich werd mich mal bei passender Gelegenheit näher dazu auslassen – gerade in Bezug zu unserer Spanientour neulich. Kurzfassung: „Willst Du wissen, wie es bei uns in 10 Jahren aussieht, dann schau jetzt nach Spanien.“ Thema: Leere Flussbetten, forever.

Auf jedenfall freut mich, die frz. Seite gewählt zu haben, denn direkt am Rhein lang isses doch recht stier und langweilig gewesen letztes Jahr, hier kann das Auge schweifen.
Straßburg durch geht super schnell und straight – vorbildliche Radwege, keine jähen Überraschungen wie in z.B. „fucking Wiesbaden“. (Ich kanns nicht of genug dissen.)

Nach Straßburg geht es ca. 50 km an einem Kanal lang, stur geradeaus. Trotzdem nicht so schlimm, weil fast durchgehend eine Platanen-Allee und immer wieder hübsche Hausboote.. und ich habe Zeit, während der endlosen Geradeausfahrt ein paar Dinge am Handy zu erledigen.
Es wird immer schwüler und gegen Nachmittag fängt es richtig an zu drücken. Über die gesamte Schweiz zieht ein riesiger Unwettersturm, ich sehe die schwarze Wand 60km vor mir und auch auf dem Regenradar der Wetterapp. Der Sturm schiebt eine Bugwelle heißen Windes direkt gegen mich.. ich muss mich permanent gegen heiße Böen kämpfen, mein Mund trocknet aus und mein Heuschnupfen fährt auf Maximallast. Ich frag mich die ganze Zeit, ob ich noch was abbekomme vom Gewitter.. Livetracking und Regenradar zusammen könnten jetzt für Zuhausegebliebene eine spannende Kombination geben.

Ich hab Glück und komme trocken in Basel an. Am Freibad in Grenzach sind schon etliche der BTGler eingetrudelt. Da ich von den 200km einen ziemlichen Hunger schiebe, müssen erstmal zig Würstel rein. Bissl quatschen mit ein paar Leuten und Tracker sowie Schildchen abholen, dann gehts aber auch schnell schon schlafen.
Schlafen? Haste Dir so gedacht mein Jung. Radar sagt: da kommt noch was, also unters Vordach der Schwimmbadanlage auf den Teer gepflanzt, bei nächtlichen 32 Grad. Im Schlafsack ist es nicht auszuhalten und ohne Schlafsack zerstechen mich eine Millionen Mücken. Ich bade in Schweiß. Kann nicht schlafen. Laufe rum, leg mich ins feuchte Gras.. Dies ist die unangenehmste Nacht, die man sich vorstellen kann. Irgendwann regnets, macht die Sache aber nicht viel besser.

BTG19 Tag minus 2 – durch dürre Äcker


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142km 1190 hm

Es ging gleich los mit einem mysteriösem tubeless Platten, als das Rad in der Hitze stand. Ich konnte nicht rausfinden , warum und musste mit Schlauch weiterfahren. Hab dann eine ganze Zeit gebraucht, um in den Mood zu kommen aber irgendwann kam dann doch die Freude zurück. Viel Agrarland rechts des Rhein und es wird alles bewässert: Kartoffeln Mais Rüben Weizen… Es ist nach wie vor Dürre seit über einem Jahr.
Später gabs Döner und eine ereignislose Fahrt in die Nacht auf endlosen Geraden. Hänge jetzt mit Hammock im Wald.

Glückwunsch, Sie haben ein Grind gezeugt!


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432km 6200 hm

Durchmachtraining – oder: „Ein Grind zeugen ist ja einfach, aber es ordentlich groß zu ziehen..“ ihr wißt schon. Am Besten man plant erstmal mit einer ordentlichen Portion Selbstüberschätzung: 24 Stunden, 500km / 6000hm / 3-4 deutsche Mittelgebirge. Straßenverkehr vermeiden, gewünscht sind Nebenstrecken, Schotter, Trails, ruhige Radwege.

Samstagmorgen mit leicht Partyschädel im Bett entstand spontan die Planung auf dem Tool brouter.de mit dem Trekking Profil (ideales Gravel Profil btw.) Ein paar Waypoints auf den anzufahrenden Gipfeln: Rhön: Feuerberg, Kreuzberg, Heidelstein, Hochrhönstraße, Wasserkuppe. Vogelsberg: Hoherodskopf. Taunus: Feldberg, Platte, Hohe Wurzel. Uiuiui, Höhenmeter passt, aber noch zu kurz. Also einen Bogen gezogen nach Aschaffenburg, um die Nachtfahrt im dunklen Bauch des Spessarts in den Flusstälern Lohr, Main und Sinn hochzujuckeln, damit das Grind dann im Morgengrauen in der Rhön geboren wird und gleich mit einer ordentlichen Wachstumsphase ins Leben starten kann.

Nach einem schwülen Gammelnachmittag im Gärtle gings also um 17 Uhr los, keckerweise gleich mit einem lauwarmen Nachmittagsbier im Kopf (whatthefuck?!) Der Track trieb mich in die monotonste Waldlandschaft Hessens, südlich des Flughafen, direkt in die Ausläufer einer Gewitterfront. 2 Stunden Regen, Sandschlamm, stieres Geradeausdemmeln.

„Was zu einem richtigen Grind nicht dazugehört #1: Nass werden und trotzdem nicht frieren.“

Podcasts sei Dank konnte ich mich mit einer Zweitbeschäftigung bei Laune halten und mich ansonsten auf meine mit 90% treten Regel konzentrieren. Ihr wisst schon, nicht 100, nicht 80.

Nach dem Regen und ein paar unschönen Erlebnissen mit gesperrten Mainbrücken gabs fette Pasta Carbonara in Aschaffenburg. Der auch radfahrerfahrene italienische Gastwirt gab mir mitleidig kopfschüttelnd noch eine große Handvoll Maoam mit und meinte, in Lohr gäbe es fei viele Hotels. Im Abendgrauen dann der erste Berg, vor Heigenbrücken. Was für eine Erlösung, endlich ein Projekt, nicht mehr dieses stiere gradaus.

Spektakulär dann ab ca. 23:00 das Lohrtal, mit leichtem Restlicht im Himmel und Nebel zwischen den Fichten.

Die Nacht ging insgesamt ganz gut durch Lohrtal, Maintal, Sinntal. 4x hab ich gezielt Friedhöfe angesteuert um Wasser zu tanken, 8x bin ich an Partys oder Dorffesten vorbeigefahren (der Socialarkward in mir wollte aber weder anhalten, noch ein einziges Wort mit Besoffenen wechseln) Die Orte Mittelsinn, Burgsinn und Obersinn hatten in mir noch nicht die Sinnfrage ausgelöst, allerdings der wiederum sehr stiere Bahnradweg bei Bad Brückenau dann schon, hier hatte ich um halb 3:00 auch mein erstes Tief.

Da die Klamotten immer noch nass waren und ich meinen iPod Classic in der Hosentasche in eine Mülltüte gepackt hatte, zeigte sich auch langsam zum ersten Mal das Grind: ein 100 cm^2 Pflatschen Nesselquaddel auf dem linken Oberschenkel, ausgelöst durch ständige Reibung, Nässe, Sand und Luftabschluss.

Und das Timing war perfekt: um 3:00 am Fuße der Rhön, halbe Stunde Zeit zum verarzten, Riegel essen, Schuhe aus und abhängen.

Um halb 4 dann Dämmerlicht, auf zum Würzburger Haus, mittlerweile auch ohne Lampe machbar. Spektakuläre Sicht auf die Nebelverhangenen Gipfel im leider nicht begehbaren Kriegswaffenspielplatz Wildflecken. Weiter zum Feuerberg, ich freue mich, diese Strecke auch mal mit Licht zu fahren. Neulich beim MFG war ich hier ja im Dunkeln unterwegs gewesen.

Der Kreuzberg war nochmal heftig, ich hatte da wohl eine steile Trailvariante gewählt. In Oberweissenbrunn dann „tada“ ein Brunnen. Thumbs up, kein versicherungsobligatorisches Schild „kein Trinkwasser“. Weiter über Schwedenschanze nach Hessen. Ob das Wetter hält? Überm Grabfeld hingen sehr dunkle Wolken. Aber da klangen noch die klugen Worte meiner Mutter aus der Kindheit in den Ohren „Schwedenschanze ist ne Wetterscheide, Bayrische Seite hat immer anderes Wetter wie die Hessische“.

Rotes Moor, dann die große Entscheidung: rüber zum Heidelstein und nochmal die komplette lange Rhön mitnehmen? Oder direkt weiter auf die Wasserkuppe?

„Was zu einem richtigen Grind nicht dazugehört #2: Zwischenhalt in Fulda bei den Schwiegereltern mit einem riesen mega Frühstück und einer luxuriösen Hygieneopportunität.“

Da Frühstück mit Family schon abgesprochen war, entschied ich mich für die kurze Rhönetappe, sonst wäre aus dem Frühstück ein Mittagessen geworden und meiner, sowie 3 andere Tagespläne aus dem Ruder gelaufen.

halb 8 auf der Wasserkuppe.. endlich Sonne auf dem Rücken. Völlig leer dieser Berg, zum erstem Mal, daß ich da überhaupt niemanden sah. Schnell runter nach Poppenhausen und beim Pappert 2 süsse Teilchen, halb 9 dann in Fulda und 1 1/2 Stunden ausgiebig auf der Sonnenterasse essen.

Zum Vogelsberg hoch ging es relativ unspektakulär, nur daß teilweise schon heftig die Sonne am Reinhauen war. Auf dem Hoherodskopf war mittags das Halligalli, was ich eigentlich von der Wasserkuppe kenne.. schnell ne Cola und ne Wurst und weg… dann der Nidda Radweg. Uiuiui, viele EBike Rentner und Kiddies.. nicht gerade kompatibel mit ner stumpf durchdemmelnden endurance Lok. Aber die Straßen waren auch scheisse voll.

Die Traverse durch die Ebene südlich Friedberg war dann schon gscheit heiss, so ohne Wald. Das Stück Rösbach-Köppern-Lochmühle mit der A5 als großes Hindernis war dann richtig Scheisse, ich hab mir das schonmal von nem halben Jahr in Gegenrichtung gegeben, zum 3. Mal mach ich den Fehler nicht. Zuviel Verkehrsaufkommen und beim Einstig in den Taunus der beschissenste Radweg ever, völlig verrumpelt und direkt neben der absurd vollen Straße. Hier hatte ich meinen ersten und einzigen großen innerlichen Wutanfall. Die 3 Snickers Eis von der Rosbacher Tanke hatten das nicht verhindern können.

Das Grind ist also schon recht groß gewachsen und kommt in einen neue Phase: bei 18% Steigung hinter der Lochmühle erstmal die miese Laune im Schotter vergraben und dann ab Saalburgpass den sehr schönen Aufstieg richtung Sandplacken. Ein Rennrad überholt mich. wtf?

1km später überhole ich, es wird verschotterter. Wie kommt der mit diesen Reifen überhaupt hier durch? Irgendwas schleift bei ihm, aber er tritt weiter und will nicht mit mir drüber reden.. na gut, ich zieh vorbei. 1 km vorm Sandplacken hat wer nen Platten? Ich.

Es stellt sich raus, daß der WTB Riddler ein mieser Scheißdrecksreifen ist. Hat mich immer wieder im Wiegetritt schön oft durchrauschen lassen und jetzt das: Bissl Basaltschotter und schon ein Riss in der Seitenwand. Ich will zurück zum Nano!

Erster Versuch mit der Dichtwurst klappt bis Sandplacken, dann muss ich nochmal nachstecken. Feldbergclimp hält. Aber oben in der Applauskurve pfeifts und die Milch spritzt. Ich stecke nochmal das größte Stück wurst nach, was ich habe und kleb noch ein Stück Gaffa drüber.

Long story Short: der Reifen hält bis nach Hause, trotz Schotter und Trails. Ich nehm noch die Platte und den Schläferskopf mit, um nicht durch die Stadt zu müssen und komme nach 28 Stunden relativ fit an. Zuhause wartet ein riesen Risotto auf mich.

Das Grind ist halbwegs ausgewachsen, ich kann loslassen.

Mainfranken Graveller Tag 3 – Finish


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118km 1820 hm

4,5 Stunden Schlaf, der ganze Körper schmerzt. OK Erkenntnis: also Maximaltempo durchhalten geht exakt 2 Tage, mehr nicht. Aber das war ja auch der Sinn dieser Strecke: Ausprobieren, was geht. Für die BTG muss ich wieder anfangs Kraft aufteilen.
Klaus T. ist schon kurz vorm Ziel, ich hab noch 120 km. Er muss ein hohes Tempo trotz Dunkelheit gefahren haben. Ich geb mir den letzten 250 hm Berg im Steigerwald, dann muss ich erstmal Reste Essen. Runter nach Iphofen, nochmal Essen beim Bäcker. Ein wirklich guter Bäcker, ich schlag mir den Bauch voll. Es stellt sich heraus, daß ich einfach mit dem Essen nicht mehr hinterhergekommen bin seit gestern Mittag.
Den Rest der Strecke fahre ich im Tour-Modus, mehr geht einfach nicht. Die vor mir kriege ich nicht mehr und Holger ist über 40 km hinter mir. Die Interessante Option, in unter 48 Stunden zu finishen ist auch vorbei, also ist irgendiwe egal, was ich mach. Es wird auch langsam sehr schwül, wird ein heisser Tag. Am Besten noch vormittags finishen.
Es geht lange durch Agrarwüste, um 10 kommt wieder Hunger auf. Runter zur Tauber. Endlich, Döner. Noch einer. Danach kann ich wieder 70% Druck machen, es geht auch einen schnellen Bahnradweg wieder hoch. An der Track-Kreuzung in Geichsheim, wo man 2x vorbei kommt, warte ich auf Holger, er müsste gleich zum 1. Mal da aufschlagen. Aber er ist so aufs Fahren konzentriert, daß er mich nicht rufen hört.
Ein paar km weiter werde ich Zeuge eines Unfalls: Eine Radfahrerin bleibt an den Radwegsperren hängen, die an jeder Kreuzung stehen. Schürfwunden, Lippe offen.. ich hab Desinfektionsmittel und Kompressen dabei, eine Ärztin ist zufällig auch am Start. Es sieht glimpflich aus, also fahre ich weiter.
In der Vormittagshitze kommen nochmal 2-3 kurze aber giftige Rampen, ich bin froh, daß es bald vorbei ist. Ich bekomme eine SMS: „Ich lad Dich auf ein Bier an der Residenz ein“ – ja wie geil, ich hab nen Fan oder wie??
Stellt sich raus, es ist Jochen, der Veranstalter. Wir stoßen auf meinen 4. Platz an und ich esse nochmal 2 Portionen Würstl, dann schlagen nach und nach die anderen auf: Holger, Tim, Josh, Jesko. Sehr geile Idee von Jochen, wir sind nochmal ne lustige Runde..
Der MFG war sehr lehrreich für mich. Ich hab viel richtig gemacht, aber auch einige Fehler. Der größte Fehler war, mich mit Tilo zu batteln. Die neuen Schuhe waren auch scheisse, ich hatte viele Krämpfe in der Fussohle und immer noch taube Stellen. Der Gravel Lenker kommt weg und wieder ein normaler RR Lenker ran. Ich muss mich wegen Ernährung beraten lassen, ich hab einfach nicht genug Kalorien reinbekommen.
Und ich muss für die BTG den Zettel von Shane ausdrucken und aufs GPS kleben:
Day 1-3: Don’t be stupid. Day 4-7: Don’t be soft. Day 7+: Fuck it, drink beer.

Mainfranken Graveller Tag 2 – Rhön Grabfeld Hassberge Steigerwald


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271km 5100 hm

Um 4 Uhr aufstehen, ich fühl mich top fit nach 3 Stunden Schlaf. Heute Großkampftag. Überraschung auf dem Tracking: Frank ist schon im Saaletal und die 3 hinter mir sind auch schon auf. Mal sehen, wie lange ich Platz 2 halten kann.
Bischofsheim ist zu früh fürn Bäcker, also Riegel rein und dann einen für mich momentan sehr harten Anstieg zur Hochrhönstraße. Sonne geht auf. Kette rechts. Kalte Abfahrt nach Fladungen, hier muss ich 15 Minuten auf den Bäcker warten. Doppelter Espresso, 3 süsse Teilchen. Draussen schlägt Tilo auf.. alter der Typ ist so fucking schnell! Ich bin nur vorne, weil ich bisher mehr Ausdauer hatte. Weiter gehts, wieder hoch in die Rhön zur Thüringer Hütte. Nach der Abfahrt kommt 40 km Flussradweg: Elsbach und Saale – hier kann ich Druck machen und Abstand gewinnen. Es wird langsam schwül um 8 Uhr morgens.
Hinter Bad Königshofen (hier bin ich aufgewachsen) an einer Kapelle treff ich meinen Vater, er verfolgte wie gebannt das Tracking. Wir schnacken 20 Minuten und dann gehts hoch in meine Heimatberge. Erst Annabild/Judenhügel durch einen sehr düsteren Friedhof, dann runter nach Sulzfeld, wo ich im Kindergarten war. Beim Metzger hole ich mir ein Schweinebauchbrötchen auf die Hand – für 1 Euro 10!! Völliger Wahnsinn. Ich bin ja Fleischlos esser, aber beim Radfahren geht das nicht. Rauf zum Wildberg holt mich Tilo ein. Bergauf doppelt so schnell wie ich. Danach Vollgas auf dem Rennweg, eine ewige Schottergerade durch die Hassberge. In Hofheim kaufe ich ein und dann wirds richtig hart, bei Unfinden die erste ultrasteile Schiebepassage einen Hohlweg hoch. auf der Bramburg muss ich hinten Beläge wechseln, ich Depp. Hätte ich auch im Vorfeld machen können, das sind immer noch die Beläge vom Pico Veleta vor 6 Wochen.
Altenstein nochmal eine kernige Rampe. im Wald werde ich fast von 2 Quads überfahren.. die NPD Plakate in Altenstein hatten mir schon angekündigt, daß hier anscheinend viel Assi Gschwerl wohnt. Nach der Abfahrt Untermerzbach bei Tageskilometer 160 kommt der Vorschlaghammer und ich muss mich in die Pampa setzen und Vorräte essen. Banane, Bretzeln, Knacker, Parmesan, Weingummis. Derweil schlagen Tilo und Fabian auf. Tilos GPS ist kaputt, er braucht einen von uns als Guide. Wir fahren größtenteils zusammen den Rest der Hassberge.
Ich lasse mich von meinem Hormon- oder Adrenalinspiegel dazu hinreissen, mit Tilos Pace mitzuhalten.. Es geht lange gut, aber ich sollte sowas besser lassen.
Wir kommen am Main um 17 Uhr an. Das ist etliche Stunden früher, als ich im Besten Falle geplant hatte! Der Steigerwald ist Tilos Heimat, er erzählt mir ein bissl über die Strecken. Überhaupt ist er mittlerweile ein wenig aufgetaut und nicht mehr so unterfränkisch Wortkarg. Auf dem Tracker sehe ich, daß Frank an der Spitze nur noch 7 km vorne liegt.. Tilo meint, entweder seine Kack Schlauchreifen sind durch oder ihn hat der große Hammer erwischt. Ich erinnere mich an meine Gedanken zu 2x Durchmachen am Stück. Später treffen wir ihn, wie er sich grad abholen läßt wegen Knieproblemen.
Fabian möchte bis Iphofen fahren, Tilo durchmachen. Tilo kann Franks Navi haben, also ist wieder jeder für sich… ich muß eh mein eigenes Tempo wieder finden und fahre vor. Im Wald mach ich ne Pause und telefoniere ein bissl.. und höre Bremsen. Überholt mich da jemand off the track? 😉 Wär ja nicht das erste Mal heute. Hunger kommt auf. Noch 20 km bis Geiselwind MacDoof. Keine andere Option und mein Hunger entwickelt ein Perverses Gelüst nach McRib mit BBQ Soße. Irgendwann nach Dämmerung bin ich beim McDrive und hau schnell wieder ab, essen möchte ich da nicht. Ich setz mich unter eine Kastanie. Licht kommt auf mich zu: Klaus T. Er war die ganze Zeit 5. mit etwas Abstand. Wir schnacken ein bissl, er möchte auch durchfahren. Er zieht wieder los mit dem Spruch: „Du holst mich gleich eh wieder ein!“ Ich melde Zweifel an. Er sieht nämlich noch topfit aus und wird tatsächlich auch das Rennen machen und als Erster um 5 Uhr früh finishen. Strategisch hat er alles richtig gemacht, immer schon hinter der Spitzengruppe halten und dann das Feld von hinten aufrollen.
Ich schaffs noch bis über den vorletzten Berg des Steigerwald und dann fällt nach 270 Tageskilometer um 23:30 bei mir der Hammer. Taumelnd hau ich mich auf eine Parkbank in voller Montur – Powernap. Ach vergiss es, 1 Stunde Später schaff ich gerade so den Schlafsack rauszuzerren und die Schuhe und Helm auszuziehen.

Mainfranken Graveller Tag 1 – Spessart Vollgas – Rhön im Dunkeln


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246km 5140 hm

Um Schlag 9 gings los im Critial Mass Modus durch die Würzburger Altstadt. Ich hab mich wie immer hinten gehalten, um dann beim Vorbeifahren ein paar Fotos der Fahrer zu machen. Aus Würzburg raus kam der erste Anstieg das Steinbachtal hoch – ich konnte die Spitzengruppe weit vorne noch erkennen und hab mich gefragt, wer da wohl so Gas gibt. Am ersten Steilhang fielen gleich ein paar Leute zurück und ich hab mich vorgekämpft, bis ich an Holger und Fabian dran hing. Später dann holte ich noch Klaus T. ein und irgendwann hing ich an den 2 vordersten dran: Tilo und Frank.
Das ging eine ganze Zeit so hin und her mit den Beiden, ich bin auch die ersten 100km nonstop gefahren mit einem 21er Schnitt. Völlig baff, mit so einem Tempo hatte ich niemals gerechnet mit meistens Schotter, bissl Asphalt, aber auch paar Matschtrails.
Die beiden Jungs waren mit super schmalen Gepäck unterwegs und sprachen von Durchmachen.. ich war ein bissl beeindruckt, aber auch Ungläubig, ob das klappt. Weil eigentlich heißt das dann 2 Nightrides. Ich glaube nicht, daß man diesen Track ohne explizites Durchmachtraining am Stück schafft.
Wie auch immer, die waren schneller am Berg als ich, also fuhr ich eine ganze Zeit lang mit Holger. Er ist auch ne ziemlich harte Nummer am Berg, ich reiss es halt immer wieder in flachen Passagen raus.
Meine erste Mahlzeit war bei km 140 auf der Bayrischen Schanz, vorher hab ich mich mit Annes selbstgemachten Riegeln über Wasser gehalten. Tilo & Frank waren grad am Gehen, Frank sah nicht ganz so gut aus, ich hatte den Eindruck, er overpaced um dran zu bleiben. Ich gab mir erstmal Schweinebraten & Kuchen, dann schloss Holger wieder auf und wir fuhren zusammen bis Gemünden. Alleine dann die Saale hoch traf ich an einem Feuerwehrfest Klaus und Fabian – hä? Wann hatten die mich überholt?
Jetzt kam ein 35 km langer Aufstieg die Schondra hoch, erste Ermüdungserscheinungen. Bei km 200 auf dem Dreistelzkopf war ich eigentlich fast da, wo ich geplant hatte, anzukommen, aber es war ja noch hell! Also vollgas runter nach Bad Brückenau. Danach Aufstieg in die Rhön. Wo wäre wohl die beste Strategie zu pennen? Gleich am Fuß hatte ich meine erste totale Erschöpfungspause. Ich war bisher im selben Modus gefahren, wie wenn ich meine 60 km Feierabend im Hausberg fahre.
Aufstieg Würzburger Haus im Dämmerlicht war OK, dann Feuerberg. Mein Licht hat nen Wackler, ich muss öfter mit einem Stein draufhauen. Auf dem Tracking gegen 23 Uhr sah ich, daß Tilo, Fabian und Klaus in der Restauranthütte am Feuerberg sitzen. Und Frank war schon bei Bischofsheim, anscheinend will er alleine durchmachen.
Ich entscheide mich, den Kreuzberg noch nachts zu fahren und mich dann strategisch vorne als 2. zu Platzieren. In der Osterburgruine im 1:00 Uhr Biwak und Reste Essen, hier isses schön windgeschützt und ich schlafe gut.

Mainfranken Graveller Tag 1 – Pre Start

Am Vorabend gab es schonmal eine sehr nette Runde, Jochen und seine Frau haben sich wirklich ins Zeug gelegt und den Pavillon am Blindeninstitut organisiert, Bier besorgt und den Grill angeschmissen. Eine gute Gelegenheit, einander kennenzulernen und Szene&Tech-Talk zu sprechen.
Den einen oder anderen kannte ich schon, so z.B. Holger aus der Eifel, den ich auf der BTG 2018 kennengelernt hatte. Spannend zu sehen, wie sich innerhalb der letzten 3 Jahre die Eventszene weiter ausgebildet hat. Es waren einige Veranstalter von anderen Events mit am Start: Holger macht den „Eifel Graveller“, Tim von Audax Franconia macht das andere bald kommende fränkische Event „Bikepacking Franconia“, Jesko vom „Taunus Bikepacking“ war ab Start dabei und ich bin mir sicher, den einen oder anderen juckt es schon in den Fingern, auch was aufzustellen. Im Gespräch hat sich bei allen herausgestellt, wie sehr sie Spaß daran haben, Strecken zu scouten und landschaftlich attraktive Runden zusammenzustellen.
Wie das halt so passiert, ging ich dann mit 4 Bier im Kopp in die Falle – Entsprechend war das Aufstehen morgens. Nicht die allerbeste Vorraussetzung.
Morgens kam noch unter anderem noch Detlev dazu, mein tagelanger Verfolger und gemeinsamer Finisher auf der BTG.
Dann gings zum Start an der Residenz, hier eine kurze Ansprache von Jochen und eine Fotosession mit jedem Fahrer + Bike einzeln.

Tag 27 – zum Flieger


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38 km 240 hm

Heute gehts zurück. Sehr sehr schade. Pete geht’s nur halb gut, vermutlich einen Sonnenstich, von den 2 Strandtagen. Nutzt nüscht. Ausnahmsweise stehen wir mal um 8 Uhr auf, ein schneller Kaffee und dann hopphopp auf die Straße. Es sind 38 km bis Puerto real, wo unser Zug nach Jerez Flughafen fährt. Wir haben Glück: die Strecke ist durchs Hinterland geroutet, das recht entspannt ist. Kleine, mäßig befahrene Straßen, viel Landwirtschaft, ziemlich flach und sogar der Wind zeigt sich zurückhaltend. So ist das machbar. Mit ner halben Stunde Puffer kommen wir am Bahnhof an, das Zugthema ist so durcheinander, dass ich es immer noch nicht verstehe. Aber mit Umsteigen, Fahrrad hoch und Runtertragen und ausreichend Kopfschütteln ernten sind wir jetzt am Flughafen in Jerez und warten auf den Taxifahrer, der uns unsere Fahrradkartons bringt. Kontakt von Nils…. Und das wars dann leider schon. Schön wars, in Spanien!

Tag 26 – Conil


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22 km 200 hm

Unter Pinien aufgewacht, ich habe hervorragend geschlafen, Pete ist leider wieder schlecht. Wir hängen noch ein bisschen rum, genießen das Grün und das Vogelgezwitscher – ist ja schon fast vorbei. Zusammenpacken, über den völlig versandeten Weg zurück zur Straße. Wir müssen nicht den gleichen Weg zurück, wie wir gekommen sind, es gibt einen Weg durch ein Stückwald: das hiesige Naherholungsgebiet. Eine Klasse macht Schnitzeljagd, in der Kneipe davor gibt es ein Käffchen. Und dann gehts einen relativ verblockten Weg mit vielen ausgetrockneten Wasserrinnen runter. Zum Fahren keine Freude, aber ich schiebe viel und der Wald ist sehr hübsch, also alles fein. Wir kommen hinter unserem gestrigen Leuchtturm raus und haben für unsere Fahrt bis Conil nur eine Straße zur Auswahl, die alle Dörfer verbindet. Leider leider ist da ziemlich viel Verkehr und als i-Tüpfelchen gibts noch Gegenwind oben drauf. Garstig. Da werden auch kleine 22 km zäh. Wir versuchen immer mal dem Verkehr auszuweichen, Zahara erweist sich als einzige Sackgasse, am Stran von Las Palmeras gibt es eine zwar auch volle aber entspanntere Alternativstraße. Immerhin. Und das Meer ist traumhaft schön und die ewigen Strände großartig. Beim Routen der Strecke wurde uns ja übrigens der Eurovelo 8 vorgeschlagen. Das war der eigentliche, entspannte Plan gewesen. Falls den mal jemand sucht: gibt’s nicht, nicht einen Fetzen. Es sei den man fährt gerne durch Sand, über Zäune und durch Wasserläufe. Danke auch. Nunja, irgendwann kommen wir leicht abgekämpft im wunderschönen Conil an. Erst mal trinken und da es Pete gar nicht so gut geht entscheiden wir uns für ein nettes kleines Hotel und geben da gleich unseren Kladderadatsch ab. Es folgt klassisches Urlaubsprogramm: Eis, Strandspaziergang, Leute gucken, essen…. auch mal fein.

Tag 25 – ans Meer


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54 km 800 hm

Unter unserer grooooßen Korkeiche aufgewacht, die Bauern fahren schon früh vorbei, diesmal sehen sie uns, grüßen aber nur freundlich. Der gestern noch blaue Himmel ist heute morgen komplett grau, mit leichter Tendenz zum Nieseln. Egal, heute geht’s ans Meer. Die Strecke ans Meer besticht nicht durch absolute Schönheit, lässt sich aber sehr gut fahren. Gerade Straßen, primär langweilig landwirtschaftlich genutzt. Wann immer unser Weg durch ein Dorf führt, heißt es, zack 100 – 150 Höhenmeter. Man wohnt gerne oben. In unserem ersten Dorf gibts unser obligatorisches Pancontomate Frühstück mit sehr gutem Käse. Wir kommen immer näher ans Meer, davon sieht man aber immer noch nix, Hügelchen um Hügelchen. Dann die leider recht stark befahrene Straße nach Caños de Meca, die uns beide etwas nervt. Aber um 2 Uhr sind wir schon da, in der Surferlodge gibt’s ein okayenes Mittagessen, dann endlich Strand. Megamegaschön! Wir flätzen stundenlang, perfekte Temperatur, tolles Meer. Dann noch ein Spaziergang zum Leuchtturm und dann heißt es noch ein Schlafplätzchen finden. Wir entscheiden uns für die Parque naturale überhalb der Steilküste, d.h. durchs – außerhalb der Saison – völlig ausgestorbene Dorf durch, und mal wieder hoch. Der Park ist wid immer eingezäunt, aber da er offiziell für Fußgänger und Fahrradfahrer frei ist, werfen wir unsere Fahrräder über den Zaun und suchen uns ein Plätzchen zwischen Pinien.

Tag 24 – der einsame Korkeichen-Höhenweg raus aus den Bergen


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72 km 1440 hm

Der Schlafplatz war entgegen unseren Befürchtungen sehr ruhig, vom Bellen der Hunde die halbe Nacht mal abgesehen. Hundegebell ist ja ähnlich, wie Hähnekräen: es kommt immer in Wellen. Einer kann den Tourette nicht länger halten, schwupps.. schon zieht sich eine Bellwelle von links nach rechts, rüber zu den Dörfern au der anderen Talseite und zurück.
Daß Hähne nur morgens krähen ist übrigens auch ein Mythos.. sobald die Hunde wach werden, werdens auch die Gockel.
Unsere Schlafsäcke sind leicht feucht, irgendwas ist in der Luft, trotz Morgensonne. 20 Minuten nach dem Losfahren kommt der Nebel die Berghänge hinab und hüllt uns in Kälte. Es ist wieder Mützenzeit.
Heute soll es 55 km keine einzige Ortschaft geben, also haben wir uns eingedeckt. Noch ein paar Höfe und dann kommt wirklich lange lange nichts außer Korkeichen, Korkeichen, Korkeichen. Ein paar Steigungen auf und ab, aber langsam verlassen wir die höheren Lagen. Lange nicht mehr so steil, wie die letzten Tage seit dem Hippiecamp gewesen sind. Auf dem letzten Grat auf ca 700 m wollen wir in den Eichen mit der Hängematte chillen, der Wind bläst aber so gescheit rein, so daß Schlafsack und alle Klamotten aktiviert werden.
Dann kommt die Sonne. Endlich. Der Wald wird mediterraner und offener und wir erreichen eine sanfte Abfahrt, die ich noch aus meinen Downhill-Sk8-Anfängerzeiten kenne. Wir erreichen Alcala de los Gazules, ein Dorf, das einfach mal 140 Meter höher liegt, als alles drumherum. Anne flucht. Oben nochmal Obst und Bier, langsam brauchen wir einen Pennplatz. SEIT RONDA IST HIER FAST ALLES EINGEZÄUNT!! Ein paar Meter abseits der Strasse eine uralte Korkeiche in einem keinen Steinbruch, hier können wir bleiben. Picknick in der Abendsonne und einschlafen bei Nachtigallpiepsen.

Tag 23 – noch angeschlagen


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36 km 900 hm

Unser Hotel Casa Grande in Aipandere war wirklich der Hammer, geführt von einem Paar, bissl älter als wir, mit toller Küche, gutem Frühstück, haben sich super um uns gekümmert und man merkt, sie haben – wie sagt man so schön – „Skin in the Game“. Hier mit 100 Einwohnern braucht man einen weitreichenden Ruf, damit genug Leute kommen. Die einen stellen Schlümpfe auf, die anderen machens halt einfach richtig super gut.

Heut sind wir nur ein Tal weiter gekommen richtung Jerez, wo am Samstag unser Flug geht. Ich hab imer noch Übelkeitsanflüge und Anne fiesen Blähbauch. Das wenige Essen, was wir unterwegs bekamen, war nur so halb gut und wir verbtachten den Nachmittag unter Oliven und habem die letzten 5 Tage Blog nachgeholt. Jetzt sind wir in Cortez de La Frontera an einem Park und haben Bäume gefunden… aussenrum ist immer noch alles eingezäunt und nix zu finden. Der Camping hier hat schon Jahre zu, also wird jetzt halt mal exponiert gehängemattet, mal sehen wan morgens die ersten Gassigeher aufschlagen.

Tag 22 – Jetzt der Andere krank, Gammeltag.

Ich wach auf und fühl mich topfit und hungrig. Das ist doch mal schön. Weniger schön ist: jetzt hat es Pete erwischt. Er verlässt recht fix das Frühstück und verschwindet für den Rest des Tages im Bett. Eigentlich hat das Hotel von Montag auf Dienstag zu, aber nett wie sie sind, dürfen wir bleiben (mal wieder alleine in einem Hotel) und werden von den 2 Inhabern bevor sie gehen noch mit Wasser, Obst, Joghurt, Brot für den Tag versorgt. Meganett! Dass ich so fit war, war auch nur angetäuscht, bin also ganz froh den Tag lesend auf einer der Terrassen oder auch noch mal im Bett verbringen zu können. Laaangweiliiiig.

Tag 21 – Los Reales de Sierra Bermeja


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113 km 3500 hm

Anne muss leider noch Auskurieren. ich möchte auf den Los Reales fahren, ein 1400erter direkt an der Küste. Die über 100 km sind hier schwer reinzufahren mit vielen Höhenmetern und es lässt sich hier auch nix abkürzen ohne kaputtmachendes Canyoncrossing.

Um 11 komm ich los, wieder nach Schlumpfhausen und zum 3. mal die fiese Rampe hoch. Es ist Sonntag, mir begegnen Reiter, die scheuen Araberpferde haben eine Riesenangst vor so einem keuchenden Monster wie mir. Hinter Pujerra verlasse ich die Strasse und biege in einen Karrenweg. Bergauf geht er noch, aber bergab wird er echt hart, ich wünsche mir so sehr mein Trailbike… stattdessen Rüttelplatte mit Starrcarbon und 40er Reifen. Aber diese Landschaft und der Reales zum Greifen nah. Ganz harmlos sieht er aus, so 800 Meter höher und 3 Täler dazwischen.

Ich komme wieder auf eine Strasse und nach einer Hungerlochbrotzeit gehts supergut weiter bis zur Stichstrasse zum Gipfel. Die Sicht wird langsam Phantastisch, die Küste liegt direkt unter mir. 200 hm vorm Gipfel ist Ende Asphalt und nun gehts ans Eingemachte mit dem Gravelbike. Auch hier wieder MTB Gelände, viele tiefe Rinnen und ich muss konzentriert Linie Fahren.

Der Gipfel selber lohnt sich nicht, die 3 Sender sind eingezäunt. Aber die Sicht vom Weg aus reicht völlig. Ich eiere wieder runter und ernte völlig entgeisterte Blicke von Spaziergängern.

Abfahrt mit ein Paar Gegenanstiegen von 1440 auf 230 Meter. Ich hab Angst um die Bremsen, diese Sram Force Pienzchen haben sich noch nicht mit Ruhm bekleckert, dafür aber mit beständigem DOT-Nässen unter dem Gummigriff seit Beginn der Reise und wandernden Druckpunkten. Aber alles Gut, sie schaffen das. Im Canyon unten gibts Nüsse und Bier und ich hab noch 1200 Höhenmeter vor mir, es ist 19 Uhr. Der Aufstieg geht gut, aber irgendwann fliegt die Kette und es stellt sich Dauerrasseln ein. Ich finde keinen Fehler – ist wohl Verschleiß – und haue fett viel Öl drauf, 1 Stunde später beruhigt sich der Antrieb. Oben der Highway geht sehr schnell, um halb 9 ist unser Dorf Luftlinie 2 km zum Greifen nah…. aber andere Talseite. Ich muss noch auf 1080 hoch und 16 km fahren.

Der Tag lief super gut als Benchmark für die kommenden Rennen und ich war schwer überrascht, wie viele Höhenmeter in 115 km stecken können.

Tag 20 – Teil 2 – 2.Abendrunde, Dörfer kucken


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50 km 1400 hm

Das Schieben der 2 Räder über 250 Höhenmeter hat mich erstmal fertig gemacht und so verpenne ich neben der kranken Anne den Nachmittag. Um 17 Uhr fahre ich mit einem Hungerloch los bis wieder nach Schlunpfhausen und esse dort einen Bocadillo mit Wachteleiern. Dann zum zweiten Mal Canyon runter – Canyon rauf, die 20 Prozent Rampe diesmal mit mehr Durchzug und dann den Ziehweg links rum. Diesmal sollte ich die komplette Dörfer-Runde schaffen ohne den gestrig versuchten Umweg. Topfit, schöner Asphalt, gute Steigungen. Wieder viele sehr alte Leute am Weg und vor dwn Bars. Jedes dieser 100 Leute Dörfer hat mindestens 3 Bars, ein Restaurant und eine Apotheke. Sowas gibts in Deutschland lange nicht mehr.. Und trotzdem merkt man die Überalterung.

Oben am Highway wirds schattig aber immer noch nicht kalt. Ich kann noch einen Abstecher 250 hm runter und wieder hoch zu einem etwas abgelegenen Dorf machen und dann schön gemütlich abfahren bis Schlumpfhausen. Die restliche Strecke ist die traumatische Schiebestrecke von heut mittag und die kehr ich nun extra hart raus.

Tag 20 – Teil 1 – zurück schieben ins Hotel


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9 km 260 hm

Die Nacht war mässig. Mich hat ein Magendarmvirus erwischt, wer weiß woher… Jammerjammer… Wir wissen erst mal nicht was wir machen sollen, es ist grauhimmelig und nieselt leicht. Pete spannt die Plane und wir verkriechen uns noch mal in Hängematte und Schlafsack. Nach ein paar Mützen Schlaf und ein bisschen Recherche steht die Entscheidung: zurück in unser erste Dorf (Alpandeire) , unser tolles Restaurant von gestern Abend hat auch ein kleines Hotel und ich möchte irgendwohin, wo ich mich wohlfühle. Allerdings hatte ich gestern nachmittag leider übersehen, dass die 8 km Weg leider mindestens so viel bergab wie -aufgingen. D.h. die jetzigen Bergabstücke konnt ichs rollen lassen, schon bei der kleinsten Steigung scheitert mein Körper und der liebe Pete schiebt 2 Räder, während ich schneckig hinterhertapse. Endlich kommen wir an, es sind noch Zimmer frei. Ab unter die Dusche und rein ins frischbezogene Bett. Ich schlafe. Pete deeht – Überraschung – ne Abendrunde…

Tag 19 – Teil 2 – Abendrunde


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32 km 1100 hm

Anne ist müde und chillt schon. Es ist 19 uhr, noch 2 Stunden Helligkeit und ich könnte ja noch ne Runde im Trainingsmodus drehen. Also zurück nach Schlumpfhausen und noch weiter runter in den Canyon. Auf der anderen Seite des Tales geht es strack 20% steil hoch, ich demmel das Ding gerade so mit dem Gang hoch. Auf dem Ziehwehg bei Pujera kommen mir viele alte Leute spazierend entgegen, das ist anscheinend die Zeit, in der man hier die Straße auf und ab flaniert.

Mein Plan ist, weiter hoch bis zum Highway A397 zu fahren, den 20km entlang und dann auf unserer Talseite wieder runter. Das stellt sich schnell als sehr ambitioniert heraus und ich bin schon zu hoch und zu weit, um umzukehren. Es ist nicht ganz einfach in diesem steilen und eingezäunten Gelände. Auf 1000 Meter Höhe finde ich einen Trail links ab in den Canyon. Kein Zaun, hoffentlich bleibt das so. Es geht sehr runpelig und Verblockt bergab, mit einer tollen Abendsicht. 3 km weiter, wtf!? Ein Tor. Ich denk mir fickt euch, ihr…. achso, das kann man aufmachen, nur ne Schnur dran. Alles gut, geht weiter. Irgendwann kommt wieder die Strasse richtung Pujera bergauf. Dann meine Rampe runter, andere Seite wieder hoch nach Schlunpfhausen und weiter hoch zum Lager, wo mich eine leider kotzende Anne erwartet.

Tag 19 – Teil 1 – Ich hab gedacht, weisse Dörfer…


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27 km 840 hm

Auf unserem Campingplatz morgens erst noch mal gechilled wie die Großen. Dann das zähe Stücke des gestrigen abends gleich noch mal gefahren, vorbei an den verhassten Zäunen und Jagdgründen. Aber irgendwann verlassen wir die langweilige Straße in Richtung der andalusischen weißen Dörfer. Schöne Straße, schöne Blicke bis runter zum ersten entzückenden Dorf (160 Einwohner). Und da wir spät los sind, ist auch schon wieder Zeit fürs Mittagessen. Wir finden ein sehr nettes Restaurant und sind völlig begeistert vom (vegetarischen) Essen. Es gibt Artischocken! Mega. Es fällt uns etwas etwas schwer, weiter zu fahren, aber das war die Urlaubsidee. Also hopp, bergauf bergab nächste Dorf, übernächstes Dorf,das auch mini, aber nicht weiß sondern blau ist und an allen Ecken und Enden an Schlumpfhausen erinnert. Verrückt die Spanier. Pete kauft sich ein leckres Bier für den Abend, ich jammere ein bisschen, dass ich nicht so fit bin und so machen wir uns nach dem Dorf auf Schlafplatzsuche. Obwohl auch hier viel eingezäunt ist, haben wir recht schnell Glück und finden eine schöne Maronenwiese. Ich lege mich in die Hängematte, der unersättliche Demmelpete macht noch ne Abendrunde und ich merke, dass mir leider echt schlecht ist.

Tag 18 – über die kleinen Alpen nach Ronda


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62 km 1790 hm

Warme Nacht, endlich nicht mehr frieren. Der Morgen fängt an, wie der Abend geendet hatte: Die Schafherde kommt klingelnd an uns vorbei, fast wie eine Düne, die auf einen zu schwimmt. Wir kennen das von Rumänien und es ist immer wieder erstaunlich, wie das aussieht, wenn sich so eine Herde auf einen zu bewegt. Als eines uns entdeckt, halten alle an und kucken. Wir müssen lachen. Der Schäfer grüsst freundlich und sie ziehen weiter.

Wir essen im Dorf das übliche pan con tomate und bloggen die letzten 3 Tage nach. Weiter gehts auf eine sehr ruhige Strasse hoch, bei einer Pause treffen wir einen anderen Radreisenden. Manfred ist frisch in Rente gegangen und fährt sich seinen Arbeitstakt 2 Monate lang auf einem Iberischen Roundtrip raus. Anscheinend legt er einen ganz anderen pace vor, als wir, hat er heute morgen gestartet, wo wir gestern vormittag irgendwo waren…

Im nächsten Dorf gibts viel Obst und diverse Alberheiten (siehe Fotos) dann folgt eine lange harte Bergetappe, die sich aber ganz gut fahren lässt und einen wahnsinns Ausblick nach dem Anderen bietet. Wir verlassen die Pinienwälder uns es wird karstig und Alpin. Auf dem ersten Pass bei ca 980 m huscht wieder Manfred an uns vorbei: er hatte den falschen Weg genommen und war in einem Trail gelandet.

Nochmal bergab und wieder hoch zum nächsten Pass, danach eine lange Abfahrt nach Ronda, die leider gar keinen Spass macht aufgrund heftigster Windböhen. Wir haben grosse Angriffsfläche wegen der bepackten Räder und eiern nur so runter.

In Ronda erstmal Kulturschock: zu viele Menschen, zu viele verstrahlte Touristen. Busladungen voller Asiaten Marke Europe in five Days mit Sonnenhüten schieben sich durch die Stadt. Ich hab keine Fotos gemacht von Rondas Sehenswürdigkeiten, das Netz sollte bereits genügend gefüllt sein.

Wir essen Eis und chillen, wollen uns beraten, wie der Schlachtplan fürs Pennen aussieht. Hier ist ja das Ende von Nils Etappenvorschlag und wir wissen nicht so recht, wies weiter geht. Es ist schon 19 uhr, nicht mehr so viel Zeit. Manfred taucht auf, man sieht sich immer 3 mal. Wir quatschen uns fest, kaufen noch Vorräte und Wasser und machen uns auf den Weg aus der Stadt.

Es stellt sich raus, daß hier wirklich alles eingezäunt ist, man kommt nicht von der Strasse weg. kurz vorm Einstieg ins nächste Gebirge finden wir ein offenes Tor und schlagen uns ein paar 100 m durch, finden aber keine Bäume, weil alles zu dornig und verbuscht ist. Hungerloch, wir essen, Sonnenuntergang, und dann kommt der Wind. Ziemlich heftiger Wind.

Abbruch, zurück, Ortsausgang Ronda Campingplatz. Hier finden wir sogar Bäume und können Duschen.

Tag 17 – Landschaftgucken


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41 km 970 hm

Im kalten spanischen Haus aufgewacht, unser Vermieter schleicht schon um die Hütte rum. Kaum sind wir draußen erzählt er uns noch mal, wie schwer, es wär hier was zu finden und wie teuer und das seine Frau ja nicht wollte, aber wir haben ihm ja leid getan… Schlitzohr. Trotzdem nett. Wir brechen auf und wie gestern schon geht es senkrechte Rampen hoch und mal kurz runter. Auf dem Fahrrad sitzend würde ich hier rückwärtsrollen, ich schiebe viel. Wir finden ein Plätzchen mit rumpeligen Stühlen, einem Sperrmüllschränkchen und Sicht und frühstücken hier. Auch die Weiterfahrt bleibt erst mal, wirklich anstrengend, aber zumindest die Landschaft wird endlich wieder wunderschön und irgendwann laufen wir in ein nettes (und natürlich steiles) Dorf ein. Endlich Kaffee für Pete, in der Bar schnacken wir mit 3 Rennradfahrern (einer Schweizer auf Urlaub). Die machen diese Steigungen hier zum Frühstück. Als sie gehen, checken sie draußen natürlich noch unsere Räder. Der Schweizer ruft uns ein anerkennendes „heiße Komponenten“ zu. Es geht noch mal bergauf, aber jetzt fahrbarer und megaschön. Dann startet die lange Abfahrt zum Stausee (megaschön, diese Andalusien!) und landen schlussendlich in El Chorro: Busse, Auto, Kletterer, Wanderer, Rennradfahrer – ein Riesentrubel. Wir trinken Bier und essen Eis und schauen zu. Bei der Weiterfahrt checken wir endlich, warum den hier sooo viel los ist. Hier startet / endet der Caminito del Rey – ich kannte ihn natürlich nicht, ist aber wohl einer der berühmtesten europäischen Klettersteige. Und seitdem er ausgebaut und gesichert ist, wird er offensichtlich auch busseweise „beklettert“. Aber spektakulär ist er tatsächlich. Ebenso spekakulär aber auch der weitere Weg durch die zugehörigen Berge und Wälder. Oben angekommen gehts steil runter zum zweiten See, der völlig idyllisch ist. Die Sonne scheint, daher schnelle Planänderung: Ronda wird auf morgen verschoben, wir fahren in den hübschen Ort Ardales, essen auf dem trubeligen Platz zu mittag(16 Uhr) und begehen mit den Spaniern den Tag der Arbeit und fahren dann zurück zum See, um hier abzuhängen und zu übernachten. Es dauert noch etwas bis wir ein windstilles Plätzchen gescoutet haben(heute ist einer der Tage mit viel Wind), aber als wir den haben: mega! Als wir um 9 in der Matte liegen, kommt noch der Hirte mit der Schafsherde auf dem Heimweg vorbei und wir werden friedlich in den Schlaf geklinklongt.

Tag 16 – nach dem Essen wurd’s hart


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60 km 1560 hm

Sehr gut geschlafen auf unserem spektakulären Pennplatz mit Aussicht, dann Frühstück in einem Malagaesken Dörfchen, mit Aussicht. Vormittags eine gute ruhige Strecke am Hang entlang, mit Aussicht. Mittagessen in Colmenar, Eier in Mayo und Kartoffeln in Mayo, mehr gab die fischlastige Tapasbar nicht her für Nichtfischis. Danach mehrere Autobahncrossings und eine Wegeoption: Steil, mit Verkehr oder noch steiler, Feldweg. Feldweg gewählt und es kam, daß ich 2 Räder schiebte. Oben am Pass unter dem ersten Baum seit 45 Minuten ausruhen…. Ok nicht sehr lange. 2 LKW fuhren immer hin und her und brachten Kies für den Weg. Die Planierraupe kam auch bald und räumte just auf der Kurve rum, wo unser Baum stand. Ein deutliches fuck you an uns. Wir eierten den fies schwammigen Kiesweg runter, dann eine steile verkehrsreiche Strasse hoch. Anne am Limit, ich im Hungerloch. Im Supermarkt den Rucksack vollgepackt und dann kamen immer steilere Rampen hoch, und wieder runter. Wieder hoch wieder runter. Immer grad hoch, keine Kehren. Auch keine guten Schlafplätze, entweder zu windig oder eingezäunt. Irgendwann, am Limit, entschlossen, eine Finca zu mieten, die es hier zahlreich gab. Man gab uns zu verstehen, daß das für einw Nacht nicht geht, doch einer hatte Mitleid. Oder scharf auf die 50,-? Er wollte dann doch noch hart handeln. Der Garten ein Vogelparadies, Nachtigall und co wiegen uns in den Schlaf.

Tag 15 – wir machen mal, was Nils sagt


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68 km 1500 hm

Endlich mal wieder draussen pennen und fast nicht gefroren. Wir schieben durch den wie nach Höhenlinien terrassierten Waldhügel zu den Motocrosstrails und von dort auf einen Feldweg. Ziel ist es, nach Alhama de Granada zu fahren und ab dort einen Streckenvorschlag von Nils ca 200 km nach Ronda zu fahren.

Ich habe für das Zubringerstück mit Profil „trekking“ geroutet, doch das ist heute wirklich ein hartes auf und ab auf rumpeligen feldwegen. Wir schlagen einen Haken mit den „roadbike-lowtraffic“-profile und auch der bleibt hart genug, auch die kleinen aber steilen Anstiege habens in sich. Ich häng heut auch irgendwie drin, brauche viel Kaffee und Essen um auf touren zu kommen.

In Alhama gibts leckeres Bier und Pizza. Die skandinavischen Tischnachbarn lassen so viel Pizza übrig, es ist zum Heulen. Weiter gehts, hoch auf über 1000m. Hinter dem Pass eine von Bergen umschlossene Hochebene, nur sind hier keine Hobbits, sondern Schafe und Salatbauern. Durch ein tiefes Joch geht es auf die andere Bergseite und man sieht in der Ferne das Mittelmeer. Wir suchen in einem sonnigen Steilhang unseren zwei Bäume, es ist heute nicht wirklich leicht gewesen, was zu finden. Aber ein spektakulärer Platz im Sonnenuntergang mit Aussicht auf unseren morgigen Weg.

Tag 14 – Hippies und Motocross


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25 km 500 hm

In Granada aufgewacht, ein Kaffee noch, bevor es weitergeht. Ich trieze Pete durch und in die Tourihölle: Kaffee in einem Zigeunerkeller in Sacromonte. Pete schmeckt der Kaffee nicht, mir schon, wir haben Blick auf die Alhambra und es läuft großartiger Flamenco. Zurück durch die Menschenmassen, ein paar süße Teilchen, damit wirs aus der Stadt raus schaffen. Das geht verblüffend gut – ein bisschen Zickzack und dann kommen wir an einen Kanal, der zwar nicht schön ist aber straight raus führt. Wir verlassen bald den Kanal, kreuzen ein paar wenig spektakuläre Dörfer, es folgen wenig spektakuläre Plantagen (sind jetzt halt auch verwöhnt von Alhambra, Sierra Nevada etc…) und dann nehmen wir Kurs auf einen Geheimtipp von Nils : heiße Quellen bei Santa Fe. Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet… Fahren ein paar recht steile Hänge hinauf, die vor 5 Tagen noch völlig vermatscht und unfahrbar gewesen sein müssen. Bald treffen wir auf den ersten Hippiebus, der freilaufende Hippiehund beißt Pete fast in die Wade (der tritt dem Hippiehund dafür auf die Nase). Es geht noch kurz steil weiter und dann erblicken wir Hippiehausen rund um ein Wasserloch. Bestimmt 20 – 30 Büsschen, Wohnwägen und ähnliches, die sich locker in den Olivenhainen verteilt haben. Wir fahren als erstes zum Wasserloch und strecken die Füße rein: heiß. Heiße Quelle halt. Und Schwefel gibts noch oben drauf. Und obwohl es warm ist, lassen wir uns das Bad natürlich nicht entgehen. Ab zum Planschen. Pete wäscht noch, ich schaue mir das Areal noch a weng an. Weiter oben winkt aber mehr Ruhe, besserer Blick und gute Hängemattenbäume. Wir schließen uns also nicht der Gemeinschaft an, sondern fahren bzw. schieben noch mal steil hoch. Währenddessen hören wir schon laute Motorengeräusche, clash of cultures: ca. 15 Motorcrosser heizen durch Hippiehausen und kommen dann unseren steilen Hang hoch. Das scheint der Sonntagstrainingsparcours zu sein. Wir hören sie noch einige Runden drehen. Wir schieben oben durch den jungen Kiefernwald und finden ein spektakulären Platz mit Blick auf die Sierra Nevada. Wie viele km heute? 25? Reicht. Doch zum Schlafplatz taugts hier nicht, es wird früh schattig und ein garschtiger Wind kommt auf. Wir wandern aus auf die andere Bergseite, genießen noch mal Sonne satt und schlafen windstill und warm ein.

Tag 13 – die höchste Strasse Europas


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80 km 2600 hm

Pico Veleta Climb – Heute war Anne in Granada unterwegs und ich auf dem Weg zum mit 3350m zweithöchsten Gipfel der Sierra Nevada. Es gibt eine bis fast ganz hoch per Rennrad befahrbare, weltberühmte Strasse.

Ich nahm die spektakulär steile Nordvariante über Güéjar Sierra. Leider nur bis zur Schneegrenze auf ca. 2550m statt 3400 geschafft, ab da ging nix mehr. Bin noch ein paar Schneefelder im Geröll umfahren und hatte noch jede Menge Tatendrang. Bergab gar nicht mal so kalt. Das letzte Stück dann weiter ostwärts, wo es noch abgeschiedener, steiler und rumpeliger war. Achja steil: die Segmente nach dem Canyon hinter Güéjar haben 22 Prozent straight up, war mit meinem 42 zu 42 Gang ganz schön hart am ochsen.

Eine phänomenale Strecke und ich hätte auch gern weiter übern Berg die MTB Variante richtung Mittelmeer runter gefahren, aber das is was für eine andere Jahreszeit.

Tag 12 – Richtung Sierra Nevada


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98 km 1400 hm

Frühstückskaffee wie vorher Abendessen bei Manolo, der war so freundlich und auf Zack… nur das Glas voll Minischnecken abends als Tapas zum Bier, das war gewöhnungsbedürftig. Die waren so gesotten, das sie komplett mit Fühlern usw draußen waren, die Locals saugen die hier an der Bar weg, wie Sonnenblumenkerne.

Die Fahrt war heute megagut, endlich nicht mehr frieren und schön Strecke machen. Ein Dorf mit Markt, ein Bahnhof mitten im Nirgends, immer die Sierra Nevada vor Augen mit ihren 3500ertern. Später mal fiese Bundesstrasse, die Alternativroute ist ein Karrenweg durch einen spektakulären Canyon mit plus 150 sehr steilen Höhenmetern…

Granada rein sehr stressig, erstmal platt. Aber wir finden nach dem Einchecken ins Hostal eine hübsche nette Bar mit lecker Tomatensuppe.

Tag 11 – Cordoba, Granada, Hauptsache Italien


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45 km 1150 hm

In unserem rumpelig, lauten Hotel aufgewacht. Wie angekündigt, ist es grau und regnet, teilweise heftig. Wir hängen noch ein bisschen rum, frühstücken, aber Quesada ist und bleibt eine wenig begeisternde Stadt mit zuviel Verkehr – keine Ahnung, wo der herkommt. Da ist doch nix. Sobald es fürs erste aufhört zu regnen, radeln wir los. An der Kreuzung Jodar – Larva muss ich mich endgültig entscheiden: stick to the plan und relativ flach nach Cordoba oder gen Granada und somit einen Haufen Bergetappen. Natürlich wähl ich die Höhenmeter (- was hat mich da nur geritten?!). Und dann haben wir den Rest des Tages Megaglück, zum einen erwischen wir lauter leere Landstraßen durch sehr schöne Landschaften, zum anderen begleitet uns fast ganztägig ein blaues Stück Himmel, während es drumrum teils gründlich schüttet. So fahren wir bald im Tshirt wohlgemut ziemlich viel und manchmal steil bergauf. In Larva gibts Eis mit Schnack aufm Dorfplatz. Dann folgt das, wovor der nette Herr am Dorfplatz warnte: Steil bergauf, viel bergab und dann richtig lang und viel bergauf bis Cabra de Santo Cristo. Aber: es wurde geschafft, das einzige Hotel am Platz gefunden und auf unseren Anruf hin kam der Inhaber auch ne halbe Stunde später vom Feld, um uns aufzuschließen. Das Dorf scheint nett zu sein – na denn. Viel Spaß uns und morgen gehts mal wieder bergauf nach Granada.

Tag 10 – Carretera de Pozo Alcón


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65 km 1500 hm

Unsere Höhle, die bis ca. 7 Meter in den Berg hineinreicht, hat im Vorderhaus auch eine Dusche. Der Flaschengasbetriebene Durchlauferhitzer tut seine Arbeit: Er kocht Wasser. Unter der Dusche stehend zählt sich meine Erfahrung aus dem Betrieb von Kernkraftwerken aus und ich fahre die schwer zu regelnde Anlage souverän remote mit dem Wasserhahn. Stellt man auf heiss, kommt nach ca 1 Minute Verzögerung kochendes Wasser, regelt man runter, macht er die Flamme aus und es kommt mit dem selben Verzug eiskalt. Aber ich habe das im Griff und entwickle ein ausgeklügeltes heiss-kalt Regelpattern, welches mir eine nicht mehr ganz so dynamische Temperaturkurve beschert. Später bei Anne wechsle ich die Methode und ziehe zusätzlich Heisswasser am Spülbecken, was Anne erlaubt, ganz normal zu duschen.

Die Höhle ist wirklich ein Traum, eine komplette Ferienwohnung im Berg. Unser sehr netter Vermieter ist auch Radfahrer und er hat uns einen alternativen Weg empfohlen, der uns nach der Hälfte des Tages weiter nördlich tiefer in die Ausläufer des Gebirges führt, das wir ja eigentlich umfahren. Es geht über endlose Olivenplantagen ubd über einen Canyon. Auf ca. 1000 Metern ist ein Restaurant, vor dem viele weisse Handwerkerautos stehen. Ich halte das für ein gutes Zeichen und wir werden nicht enttäuscht: sehr gute Lasagne, Muschelspaghetti und klare Suppe.

Danach haben wir ein Verdauungstief und es wird auch wieder kälter. Ich hab immer noch dauerhaft 2 Hosen und ne Mütze an. Wir kommen an den Abzweig: um den Berg rum wie geplant oder rüber, Anne hat Respekt vor den Höhenmetern aber sie nimmt die rote Pille.

Der Weg ist wirklich sehr schön und lässt sich gut fahren. Viel viel zu kucken und wir treffen lustige Locals, wie sie ihre eigenen seltsamen Motorgefährte durch die teils enge schluchtige Straße drücken. Über dem Pass ein wahnsinns Blick auf endlose Olivenplantagen. Die Abfahrt ist weniger kalt als befürchtet und in Quesada finden wir rechtzeitig eine Absteige, bevor wieder der Regen die Düsternis bringt.

Tag 09 – Regen, Wind und Höhlen


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76 km 930 hm

Nach einem entzückenden Frühstück in der Casa de los Arcos losgefahren. Hoch nach Maria, gestern hätte ich es niemals nicht geschafft, heute wars ok. Nach anfänglich blau, fängts wieder an zu tröpfeln. Noch ok. Aber dann: wir kommen auf 1.200 an, gleichzeitig der Regen und der Wind. Es beginnt eine hässliche, kalte, nasse, anstrengende Wegstrecke, auf der wir beide das Land, das Wetter und die Welt verfluchen. Kurz vor Urlaubsabbruch. Der Regen wird noch mal stärker, als wir in Orce ankommen und in die wohl deprimierenste Bar ganz Spaniens einkehren. Frust. Aber dann zeigt der Wind auch mal seine positive Seite: der Regen hört auf, wir schwingen uns aufs Rad und tatsächlich reißt der Himmel auf. Der Weg wird entzückend, es läuft, überall Höhlen, die Sonne wärmt, der Gegenwind trocknet immerhin. Gen Ende wird der Weg zäh, immer weiter heftiger Wind und Bergauf. Aber wir kommen bei Zeiten in der verabredeten Bar an, unser Airbnb-Emilio gibt uns Tipps für morgen, lädt uns ein und bringt uns in unsere Höhlenübernachtung. Megaspektakulär in den Berg getrieben – wie man hier halt so wohnt. Wowwowwow, müde, aber alles wieder gut.

Nach ausführlicher heißer (bis zu verbrühender) Dusche noch im Ort bei Victor essen gewesen. Kaminfeuer und die gleichen Tapas wie immer, aber diesmal in richtig lecker. Boah, tut gutes Essen gut! Damit der Tag nicht allzu gut endet regnet es auf unseren 10 Minuten Heimweg noch mal heftig und gründlich – nicht das wir noch milde und friedfertig werden… Ab in unsere Höhle!

Tag 08 – hoch nach Velez Blanco


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47 km 1300 hm

Es fängt an mit Dauerregen bis Mittag. Bar, Einkaufen, schwerer Start, Verkehr. Aber bald wirds ruhiger und lichtet auf. Anne hat weniger Kraft, wie sonst und mir steckt die Kälte in den Knochen.

Die Strecke ist wieder recht schön, aber eigentlich ist fas hier die wahre „Schweine und Mandeln“ Tour. Überall Mandelplantagen und Schweinemastanlagen. Es riecht auch durchgehend.

Später sogar bissl Sonne und Weitblick. In Velez Blanco finden wir als einzige Gäste ein mondänes zum Hotel umgebautes „Herrenhaus“.

Tag 07 – Mandeln und Schweine


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72 km 1400 hm

Endlich wieder weiter. Es soll noch regnen, aber nicht mehr so Schnürlregen. Wir frühstücken Tomatenbrot in einer guten Bar mit mehreren Kaffee.

Wir verlassen Mula und geben dem Via Verde nochmal eine Chance, aber 3 Meter im feuchten Tunnel und der zementähnliche Sandschlamm wickelt sich wieder um den Reifen und saut den Rahmen zu.

Also die neu entdeckte Variante, über einen kleinen Gebirgszug richtung südost. Wir wissen noch nicht, wo wir schlafen.

Der Weg ist wunderschön, keine Autos, viele Kurven, sanfte Steigung. Nach auf und ab geht es auf 1000 Meter im Nieselregen. Überall Mandelbäume auf Terassen und alle 10 km riesige Schweinemastanlagen. Sanft hügelig und weiter oben leicht bewaldet.

In Zarzadilla wärmen wir uns in einer Bar auf bei Kaffee und…? Tomatenbrot. Wir entscheiden, die 25 km nach Lorca abzufahren und ein Hotel mit Spa zu nehmen, denn es wird stärker regnen. Die Abfahrt ist nochmal eklig, wir kommen komplett nass und steifgefroren im Hotel an. Spa hat zu, aber heisse Dusche bringts auch. Tag war besser als befürchtet.

Tag 06 – Ausschlafen, Essen, Siesta, Gammeln.

Da gibts nicht viel zu erzählen, es regnet in Strömen, wir schlafen viel, Anne liest ein Buch komplett durch, ich Blogge und wir essen ein gutbürgerliches Tagesmenu. Wie man das halt so macht, im Auge des einzigen Schlechtwetterwirbels in Europa, während überall alle sonnige Ostern feiern. Immerhin gehen wir uns nicht selbst auf den Sack ?

Tag 05 – Regen is ok, Matsch nicht


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70 km 1067 hm

Unsere Gastgeberin kann es gar nicht fassen, was wir da machen: in strömendem Regen aufs Fahrrad setzen, wir sollen auf jeden Fall bescheid geben abends. Anne hat das nächste airbnb in Mula gebucht… bei uns ist klassische Rollenverteilung, Anne macht Kommunikation und ich Technik. Also hab ich einen autofreien Weg an einem Kanal entlang organisiert und später ein Stück „Via Verde“ ein Teil eines ehemaligen Bahntrassennetzes, was jetzt Radweg ist.

Der Weg am Kanal läuft richtig super und ist Landschaftlich sehr schön. Der Regen ist soweit erträglich, nicht allzu kalt. Wir haben eine gute Zeit und machen so unsere Späße. Und freuen uns auf den Via Verde.

Der Via Verde ist ein Via Maron. kein Asphalt, sondern ein Sand-Splitt-Lehmgemisch. Bei feuchten Bedingungen – was hier selten genug vorkommt – eine gefährliche Mischung, die sich verhält, wie ein mit Pattex versetzter Fliesenzement. Nach 100 Metern hat sich 10 kg pro Laufrad davon aufgewickelt und die 100 Meter zurück dreht sich kein rad mehr und es muss getragen werden. So schnell hat sich noch nie eine gute Laune voller Vorfreude in einen diabolischen doomsday Wutanfall gedreht.

Wir „putzen“ unsere heiligen Fahrräder und nehmen jede Pfütze mit. Irgendwann isses auch wieder Ok, es knirscht halt wie sau und ich mach mir sorgen ums Material.

Die alternative Route über kleine Strassen stellt sich als echt Ok heraus und die Landschaft wird immer Mondmäßiger. Wir erreichen Mula und unser Host hat sogar einen Wasserschlauch in seinem Mini mini Innenhof. Obwohl er ja ansonsten sehr pienzig ist mit Wasser und seine Toilette mit Regenwasser aus Eimern spült. Die Dusche ist eine Plastikschüssel, wir verzichten aufs erste. Er erzählt von seinem Lebensstil „Down Shifting“. Gewisse Dinge werden mich dennoch irritieren, so z.B der sorglose Umgang mit Plastik, sowie sein Hang zu weiten Flugreisen. Naja jeder hat so seine ethische selektiven Verzerrungen, ich mag mein Carbonfahrrad.

Tag 04 – Es wird grau


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74 km 793 hm

der stürmische Umzug des nächtens hat uns doch arg gestresst und entsprechend zerschossen sind wir morgens. Beim Blick auf die Wetterapp wird klar: Ok, die nächsten Tage wirds richtig scheisse und an draussen Pennen ist schon mal gar nicht zu denken. Wir buchen ein airbnb irgendwo in einem Dorf in ca 75 km. Es ist windig und ich friere, komm nicht auf Temperatur.

Die Strecke ist in weiten Teilen Ok und auch mal recht schön, aber auch unspektakulär. Wetter hält noch, wir kommen trocken bei einer sehr netten Lady an und können es warm und gemütlich abschliessen.

Tag 03 – In die Hochebene


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87 km 1625 hm

Die Wetteraussichten sind nicht so entzückend, es soll über Ostern 5 Tage regnen. Das läßt uns bissl ratlos zurück. Sogar die Zeitungen machen Karikaturen über die ins Wasser fallende Semana Santa.

Guter Kaffee in einer guten Bar, dann Aufstieg auf eine sehr schöne Hochebene mit großen Weingütern. Sehr wenig Verkehr und schön Rückenwind. Sie meinen es gut mit uns.

Später dann ein harter Spitzer Schotter direkt an einer Autobahn. Wir sind ja immer noch auf dem del cid, und der ist nicht immer gut gescoutet.

In Villena machen wir Supermarktbrotzeit und schauen alten Herren beim Boule zu. Wir haben schlechten Kreislauf und großen Hunger. Wetter zieht zu. wir brauchen auch bald nen Schlafplatz und heute ist Regenplane angesagt.

Ein angelegter arider Jungwald 15 km weiter mit Boden wie Mondlandschaft bietet einen guten Platz. Denken wir.

Erst noch fahren in lauer Nacht 8 Mountainbiker mit Licht ca 10m an uns vorbei, die sehen uns aber nicht. Aber der Sturm ca 2 Stunden später wirft uns aus den Matten. Wir bauen ab, packen notdürftig alles zusammen und suchen die vorher entdeckte Behelfshütte weiter unten, wo wir uns erschöpft am Boden auf isomatte ablegen.

Tag 02 – Orangen Orangen


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67 km 775 hm

Das sieht hier alles so aus, als hätten sie das Areal rund um Bettenburgen Bauruinen großräumig zu einem Naturpark erklärt und als Mahnmahl die Dinger stehenlassen. Vielleicht ist es ja auch ganz anders, wer weiß.

Im nächsten Dorf gibt es sehr guten Kaffee und O-Saft. Lecker Aioli und Grillgemüse.

Später Eis. Und immer wieder Orangen. Einfach Fallobst, das noch mitten in der neuen Blüte weiter wächst. Die sind so saftig und süß, wie wir sie so noch nicht kannten.

Auf einer Anhöhe, in der Nähe eines Betonwerkes und eine Orangenplantage, zwischen wilden Rosmarinbüschen und Kiefern, finden wir gute Bäume.